Der sorgsame Umgang mit unserem Planeten ist ein Anliegen der Pfadfinder, das bei vielen Aktivitäten beachtet wird. Auf dem Int. Landeslager der Oö Pfadfinder/innen von 5. bis 14. August 2013 in St. Georgen/Attergau stand das Thema jedoch zum ersten Mal im Mittelpunkt.
Ausgabe: 2013/33, Pfadfinder, Pfadfinderlager, St. Georgen, Umwelt, Natur
13.08.2013
- Dagmar Giglleitner
Die Umsetzung geschah auf zweifache Weise: Einerseits beschäftigten sich die 4000 Kinder und Jugendlichen im Programm mit der Einzigartigkeit und Schönheit der Erde und ihrer Bewohner/innen. Maßgeblich war dabei das pädagogische Prinzip von Hirn, Herz und Hand: Information ist wichtig, aber bedeutender ist noch das konkrete Tun und das Erleben von Natur und Gemeinschaft. Dadurch kann deren Schutz zur eigenen Herzensangelegenheit werden. Andererseits wurde versucht, das Lager selbst so sozial und umweltschonend wie möglich zu gestalten: von der Anreise über Verpflegung, Müllmanagement bis zu ökologisch und fair produzierten Textilien. Schon im Vorfeld wurde die Veranstaltung deshalb als „Green Event“ ausgezeichnet. Interessant ist, dass sich viele ressourcenschonende Maßnahmen weniger in den Kosten als in einem enormen Organisationsaufwand niederschlugen. Alle möglichen Hürden galt es zu bewältigen – vom umweltfreundlichen Bedrucken der Lager-T-Shirts bis zur Sondergenehmigung, die Frühstücksbutter entgegen den üblichen Hygienevorschriften in größeren Portionen anstatt kleinen Plastikbehältern verteilen zu dürfen.
Friedliches Miteinander
Neben der Bewahrung des Planeten waren Internationalität und das Kennenlernen anderer Kulturen wichtige Aspekte des Pfadfinder-Lagers. Gäste aus 17 Ländern verbrachten gemeinsam mit ihren oberösterreichischen Partnergruppen den Lageralltag, wodurch die Herausforderungen und Chancen friedlichen Zusammenlebens intensiv erfahrbar wurden. Damit wurde die Friedensidee des Pfadfinder-Gründers Robert Baden-Powell ein Stück mehr Wirklichkeit: „Wenn ich Leute aus anderen Ländern kenne und verstehe, dann schlage ich mir nicht die Köpfe ein“, bringt es Birgit Sedlmayr-Gansinger, Sprecherin des Organisationsteams, auf den Punkt.
Drei Säulen
Neben der Verpflichtung gegenüber den Mitmenschen und sich selbst ist die Pflicht gegenüber Gott eine der „Säulen“ der Pfadfinder/innen. Spiritualität und die Auseinandersetzung mit Religion spielten deshalb auch beim Landeslager eine wichtige Rolle. Thema der „Spiri-Oase“ waren die Weltreligionen, wobei hier ebenfalls das Augenmerk auf die Möglichkeit konkreter Erfahrungen gelegt wurde. „Wie bei Sportarten geht es auch bei Religion und Spiritualität darum, es einfach einmal auszuprobieren und zu erleben“, erklärt Birgit Sedlmayr-Gansinger. Dazu lud zum Beispiel das liebevoll gestaltete Stille-Zelt ein. Den Leitern der Spiri-Oase, Sylvia Kitzmüller und Markus Klepsa, ist wichtig, nicht zu viel vorzugeben, sondern darauf zu achten, was von den Teilnehmer/innen kommt, und behutsam anzuleiten. „Es geht uns nicht darum, jemanden zu bekehren, sondern um den Dialog, den Austausch von Erfahrungen“, beschreibt Markus seine Einstellung. Und Sylvia ergänzt: „Auch das Zweifeln, Schimpfen und Hadern hat bei uns einen Platz.“
Nachgefragt
Was macht die Pfadfinder für dich so besonders?
Gregor Böhm (14) aus Linz: „Die Heimstunden sind immer lustig und man kann viele Leute kennenlernen. Mir gefällt, dass wir spielen, es aber auch darum geht, effizient zu sein. Wer beim Kochen oder Zeltaufbauen zu lange braucht, hat weniger Freizeit. Deshalb gibt es immer eine Herausforderung!“
Anna (15) aus Niederanven, Luxemburg: „Mir gefällt, dass man schon als Kind bei den Pfadfindern anfängt und sich so eine Art zweite Familie bildet, mit der man zusammen aufwächst und viele spannenden Dinge erlebt.“
Juan Francisco Dávila (29) aus Argentinien: „Ich denke, dass es bei den Pfadfindern eine ausgezeichnete Möglichkeit gibt, Abenteuer und Spaß mit dem Helfen zu verbinden – ganz im Sinne unseres Gründers Robert Baden-Powell, der uns auftrug, die Welt ein bisschen besser zu verlassen, als wir sie vergefunden haben.“
Laurenz Lienerbrünn (15) aus Linz: „Ich bin gerne beiden Pfadfindern, weil ich mich dort ein Stück loslösen kann. Zum Beispiel dadurch, dass wir immer in Zelten schlafen und nicht in großen Hotels.“