Sie sorgen regelmäßig für Erschütterung, die Bilder von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer. Sie werden von Schleppern ausgesetzt und versuchen irgendwie die südlichen Küsten Europas zu erreichen. Wie viele von ihnen bereits kurz nach der Abfahrt von den Überwachungsschiffen der „Europäischen Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen“ (Frontex) wieder zur Umkehr gezwungen werden, wissen wir nicht. Wie viele die rettenden Ufer nicht erreichen – auch nicht. Die evangelische Diakonie sprach unlängst von rund 20 Prozent der Flüchtlinge, die im Meer ertrinken. Und sie weist darauf hin, dass die „Abschottung Europas“ dazu geführt habe, dass rund 90 Prozent derer, die Asyl in der EU suchen, zur illegalen Einreise genötigt sind. In den 80er-Jahren war das genau umgekehrt, da konnten 90 Prozent der Asylsuchenden legal und ohne Schlepper in Westeuropa einreisen. Europa kann nicht alle Flüchtlinge, die oft auch aus wirtschaftlichen Gründen ihr Land verlassen, aufnehmen, heißt es häufig. Doch Europa hat es bisher nicht einmal geschafft, für eine halbwegs gerechte Verteilung der Flüchtlinge zu sorgen und angesichts besonderer Brandherde, wie etwa dem Bürgerkrieg in Syrien, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Unter den jüngst auf Lampe-dusa gelandeten Bootsflüchtlingen waren zahlreiche Syrer und ehemals nach Syrien geflohene Iraker. Auch in Österreich sorgte der verstärkte Zustrom aus Syrien zu einem Anstieg der Asylwerberquote im ersten Halbjahr. Für sie, meist westlich orientierte Christen und Muslime, gibt es kein „europäisches Angebot“ – höchstens den Streit um zusätzliche Waffen für einen mörderischen Krieg.