Am 8. August feierte er seinen 85. Geburtstag: Johann B. Metz. Seine Theologie der weltzugewandten, offenen Augen, vor allem gegenüber dem Leid und der Not, erlebt unter Papst Franziskus eine neue Blüte.
Sein Leben und sein ganzes theologisches Arbeiten sind geprägt von einem tragischen Ereignis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs: Der 16-jährige Metz kehrte nach einem Auftrag, der ihn von seiner Kompanie weggeführt hatte, wieder zu seinen Kameraden zurück. Doch er findet sie nur mehr tot, alle. „Ich konnte ihnen allen nur noch ins erloschene Antlitz sehen. Ich erinnere nichts als einen lautlosen Schrei.“ Diese Erfahrung lässt Metz nach Gott fragen und nach der Gerechtigkeit für alle unschuldigen Opfer – bis ins hohe Alter. Von 1963 bis 1993 war der Priester aus Bayern Professor für Fundamentaltheologie in Münster, danach jahrelang Gastprofessor in Wien.
Fasziniert
Menschen können ihren Glauben nicht verantwortet leben, wenn sie dem Leid und der Not den Rücken zukehren. Glaube an Gott und christliche Praxis müssen sich im Blick zur Welt verantworten. Metz wird zum Begründer der „Neuen politischen Theologie“. Diese aber bleibt nicht nur in den akademischen Hörsälen – und das ist das faszinierende an Metz –, sondern wird auch ein starker Impuls für die christliche Spiritualität. Bei einer Diskussion, wie Gott den Tod von sechs Millionen Juden zulassen konnte, wurde Metz gefragt, ob man nach Auschwitz überhaupt noch beten kann. Seine Antwort: „Man kann nach Auschwitz beten, weil in Auschwitz gebetet wurde.“ Metz bremst auch alle, die aus dem Glauben an Gott eine Wohlfühlreligion machen wollen: „War Israel etwa glücklich mit seinem Gott? Macht Religion glücklich? – Ich zweifle.“