Sommertage bringen Erholung mit sich – und Urlaubsbekanntschaften. Je exotischer sie sind, desto eher bleiben sie in Erinnerung. Wie jene unheimliche am Wolfgangsee.
Ungezählte Gelsen und Fliegen haben heuer beschlossen, Urlaub zuhause – bei uns zuhause – zu machen. Das ist nicht weiter erinnerungswürdig, weil diese Horde jedes Jahr bei uns einfällt. Einprägsamer war die Bekanntschaft mit einem grünflügeligen Falter im Garten. Mit giftgrünen Knopfaugen schaute er mich an, ehe er in Richtung Nachbars Garten abschwirrte. Woher er wohl angereist war? Einen wirklich eleganten Käfer lernten wir am Wolfgangsee kennen. Schwarz und schlank saugte er den verschütteten Apfelsaft von der Tischplatte auf. Die langen, nach hinten frisierten Fühler wippten im Takt. Später sahen wir ihn im Naturmuseum wieder, zumindest einen Artgenossen. Vertrocknet hing er an einem Brett. Vor hundert Jahren war er für medizinische Studien aufgespießt worden. Neben dem Körper stand in Frakturschrift geschrieben, dass sein Gift für das Kurieren von Krankheiten eingesetzt werden kann. Wofür noch, das wollten wir uns nicht ausmalen. Wir waren mit einem potenziellen Mörder am Tisch gesessen.