In den Raunächten sprechen die Tiere im Stall und die Geister haben Ausgang, so heißt es. Geister sind aber das ganze Jahr über fidel in unserer Mitte. Ein Unter Uns von Christine Grüll.
Ausgabe: 2013/51/52, Raunächte, Geister
17.12.2013
- Christine Grüll
Auch wenn es seltsam klingt: Hin und wieder machen sich in meiner Umgebung Persönlichkeiten bemerkbar, die nicht zu sehen sind. Je älter die Räume waren, die ich bewohnt habe, umso eher musste ich sie mit jemandem – oder etwas? – teilen.
Besonders wild ging es in meinem Elternhaus zu. Nicht nur wir Kinder brachten das alte Haus zum Wackeln. Bisweilen rumorte es am helllichten Tag. Eine der jungen Frauen, die manchmal auf uns aufpassten, rief einmal uns Kinder zur Ordnung. Sie hielt uns für die Verursacher eines dumpfen Lärms in den Schlafräumen im ersten Stock. Wir aber hatten brav im Nebenzimmer gespielt. Ab diesem Tag wollte sie nicht mehr mit uns allein im Haus bleiben.
Als Profi konnte ich bald zwischen sympathischen Geistern und Geistern ohne Manieren unterscheiden. Letztere berührten einen nachts an den Händen oder an einem unbedeckten Zeh. Schön hingegen war der Besuch meines Großvaters kurz nach seinem Tod.
Zur Weihnacht, wenn sich eine besondere Stille über das Land legt, gedenken wir auch unserer Verstorbenen. Wenn ich für sie eine Kerze ins Fenster stelle, freue ich mich darüber, dass sie manchmal unsere Nähe suchen.