Über eine Milliarde Menschen weltweit ließen sich von den Wiener Philharmonikern in das neue Jahr 2014 hinein begleiten. So irgendwie möge das Leben sein, wie es in den heiteren und auch besinnlichen Stücken des von Daniel Barenboim dirigierten Konzertes anklang – hoffen sie. In einer Zeit, in der Musik praktisch unbegrenzt in Abermillionen „Tonträgern“ auf Knopfdruck zur Verfügung steht, vergisst man zu leicht den besonderen Charakter von Musik: sie existiert nur, wenn sie gespielt wird. Sie ist nicht da auf der Welt wie die Dinge da sind, die man aufbewahren kann für spätere Zeiten. Musik erklingt – und verklingt. Selbst wenn sie aus dem Kopfhörer oder aus dem Radio kommt: ohne das Zutun des Menschen gibt es sie nicht. Musik, die sich nur im Kopf seines Schöpfers ereignet und die nie von jemandem gespielt wird, war nicht wirklich auf der Welt. Mit dem Menschlichen, auch mit dem Glauben, ist es wie mit der Musik: Sie sind nur wirklich, wenn sie „gespielt“ werden. Echter Glaube existiert noch nicht, wenn man ihn im Kopf hat. Er braucht die Künstlerinnen und Künstler, die die Partitur Gottes zum Klingen bringen.