Polen ehrt Journalisten für seine „Impfung gegen das Vergessen“
Weil er ernst nahm, was ihm eine alte Frau erzählte, begann für Martin Kranzl-Greinecker eine lange Reise zu den „Kindern von Etzelsdorf“. Die Republik Polen ehrte ihn dafür mit dem Goldenen Verdienstkreuz.
„Sie sind eine Hoffnung und Impfung gegen das Vergessen“, würdigte Prof. Irena Lipowicz Martin Kranzl-Greinecker beim Festakt in der polnischen Botschaft. Dieses Engagement ist „mir zugefallen“, sagt der ehemalige Redakteur der KirchenZeitung Linz und jetzige Chefredakteur von „Unsere Kinder“. Eine alte Frau erwähnte 2001, dass es im Schloss Etzelsdorf in seiner Heimatgemeinde Pichl bei Wels in der NS-Zeit ein Heim für Kinder von Zwangsarbeiterinnen gab. In der öffentlichen Erinnerung gab es kein (An)denken an die Kinder.
Gedenkstätte für die „Fremdvölkischen Kinder“
Kranzl-Greinecker grub verschüttete Zeugnisse aus, schrieb die Broschüre „Die Kinder von Etzelsdorf“, wirkte am gleichnamigen Dokumentarfilm mit und macht viele Vorträge zum Thema. In Zusammenarbeit mit der Pfarre Pichl entstand 2005 eine Gedenkstätte für die „Fremdvölkischen Kinder“. Den Zwangsarbeiterinnen, meist Polinnen, wurden die Kinder im Säuglingsalter weggenommen und in Heime gebracht. Dort starb eine große Zahl an Unterernährung. Nach dem Krieg kamen viele Überlebende nicht zu ihren Müttern, sie kennen bis heute ihre Herkunft nicht. Kranzl-Greinecker lernte bei der Spurensuche Überlebende kennen, wurde ihr „Ombudsmann“ wie auch der toten Kinder, denen er ihren Namen zurückgab. Damit stieß er auch anderswo Spurensuche an (es gab 10 solcher Heime in OÖ). „Mir ist das Schicksal der Kinder sehr nahegegangen. Ich fühle mich mit ihnen verwandt.“ Das dränge ihn, so Kranzl-Greinecker, zur „Ahnenforschung“ und zum Einsatz für ein Nie-Wieder.