Künstler wehrt sich gegen Vereinnahmung der Religionen
Juden, Christen und Muslime sind Geschwister – behauptet Felix Dieckmann, auch wenn der politische Alltag oft eine andere Sprache spricht. Mit seinen Holzschnitten wehrte er sich gegen die Vereinnahmung der Religionen in Jerusalem – und jetzt in Linz.
Ausgabe: 2014/02, Dieckmann, Holzschnitte,
07.01.2014
- Matthäus Fellinger
Er war Lehrer, Theater-, dann Opernregisseur – und wandte sich schließlich der Holzschnitt-Kunst zu. Felix Dieckmann ist ein Weltenverbinder, nicht nur in den verschiedenen Sparten der Kunst, sondern auch was das Thema Religionen betrifft. In der Galerie der Generali-Versicherung in Linz sind zurzeit jene Arbeiten zu sehen, die er im Herbst 2013 in Jerusalem gezeigt hat. Die gemeinsamen Grundthemen von Christentum, Judentum und Islam bringt er in 14 Holzschnitten zum Ausdruck. Den Ausschlag, sich genau dieses Themas anzunehmen, gab eine Art Ohnmacht: „Zum so und so vielten Male hatten in Israel Angehörige einer religiösen Gruppe gegen Angehörige einer anderen religiösen Gruppe Gewalt ausgeübt. Oder umgekehrt oder umgekehrt oder umgekehrt.“ So beschreibt Dieckmann sein Motiv für den Bilderzyklus. „Was konnte ich als Einzelner tun? – Das Einzige, das ich machen kann, sind Bilder – und so ist der Holzschnitt-Zyklus entstanden.“ Der Gehalt dieser Bilder – so Dieckmann – legt eigentlich ein friedliches Nebeneinander nahe. Doch die Religionen werden entgegen ihren eigenen Inhalten instrumentalisiert, um Gewalt zu legitimieren. Die Klammer für die 14 Holzschnitte bildet die „Ringparabel“ aus Gottfried Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ mit ihrem Toleranzgedanken. Auf wie schwierigem Boden sich die Toleranz zu bewähren hat, erlebte Dieckmann in Jerusalem persönlich, als er in einen Konflikt um die Al-Aksha-Moschee hineingeriet. Straßensperre, Geschrei, gepanzerte Pferde, ein Mann, der aus einem Protestzug heraus verhaftet wird, Wasserwerfer, Fernsehkameras, überall Hektik, ein sehr nervöser Obsthändler – dann endlich wieder im Hotel. „Ich hab' mich schon gefragt, was dann so etwas wie mein Ausstellungsprojekt sein soll: Ist es lächerlich? Ist es sinnvoll?“ „Beides“, kommt er zum Schluss: „Es hat Sinn aufzuzeigen, dass unsere Gemeinsamkeiten jeder Vereinnahmung der Religionen widersprechen.“
In seiner Ausstellung „Blick ins Atelier“ zeigt Felix Dieckmann bis 27. Februar Ölmalereien und Holzschnitte. Galerie der Regionaldirektion der Generali-Gruppe Linz, Adalbert-Stifter-Platz 2.