Es sind nicht nur die „Irrlehren“, es sind auch die „Irrbilder“, die den Glauben verzerren. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2014/02, Irrbilder
08.01.2014
Ob ein Mensch rechtgläubig sei, wurde lange danach beurteilt, was sich in seinem Kopf abspielt: ob er die richtige Meinung in Glaubensdingen teilt. Doch Glaube ist mehr noch eine Frage der Haltung. Es sind nicht nur die „Irrlehren“, es sind auch die „Irrbilder“, die den Glauben verzerren. Da feuert Gott auf mittelalterlichen Fresken seine Pfeile auf die Menschen – und Maria fängt diese mit ihrem Mantel von den darunter Schutzsuchenden ab. Ein verhängnisvolles „Irrbild“ des Glaubens ist das, das Gott den Zorn, Maria die Barmherzigkeit zuschreibt. Ein „Irrbild“ kann auch das Erscheinungsbild der Kirche insgesamt darstellen, wenn sie sich bloß am Erscheinungsbild weltlicher Herrschaft orientiert. Doch in einer Kirche, in der die Ersten die Diener aller sein sollen, gibt es nicht „Hochwürden“ und „Amen-sager“: da liegt die Botschaft in der gemeinsamen Verantwortung aller. Papst Franziskus lenkt das Augenmerk auf solche verzerrende „Irrbilder“. Das Erscheinungsbild der Kirche muss noch viel deutlicher dem Evangelium selbst entsprechen. Das Jüngste Gericht ist keine Abschlussprüfung über Lehrinhalte. Oben und Unten werden kräftig durchgemischt. Was ein Mensch getan hat, zählt.