Ausgabe: 2014/02, Neujahrskonzert, Wiener Philharmoniker, Barenboim
08.01.2014
- Susanne Huber
Es war wie jedes Jahr ein Genuss, ein musikalisches Feuerwerk, ein Erlebnis: Das grandiose Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Großen Saal des Musikvereins in Wien. Qualität auf höchstem Niveau – das war zu erwarten. Womit aber niemand gerechnet hat, war eine überraschende Geste, ein Zeichen des Dirigenten Daniel Barenboim, das dem Konzert noch einmal eine besondere Note verlieh.
Es war beim Abschluss des Musikereignisses, als – wie fast jedes Jahr – traditionell der Radetzky-Marsch gespielt wurde. Doch dieses Mal hat der heurige künstlerische Leiter nicht am Pult stehend dirigiert. Er hat während des Marsches, den Johann Strauß Vater komponiert und dem Feldherrn Radetzky gewidmet hat, den einzelnen Musikerinnen und Musikern die Hand geschüttelt oder sich mittels Küsschen oder Umarmung bei ihnen bedankt. Damit hat Daniel Barenboim via Medien zugleich eine Botschaft des Friedens in die Welt hinausgeschickt.
Viele waren überrascht. Doch so überraschend ist sein Friedenszeichen gar nicht. Denn der gebürtige argentinische Dirigent setzt sich seit vielen Jahren für Versöhnung und Verständigung der verfeindeten Gruppen im Nahostkonflikt ein. 1999 hat er gemeinsam mit einem Palästinenser das West-Eastern Divan Orchestra gegründet, in dem Musiker aus Israel, aus den palästinensischen Autonomiegebieten oder aus Ägypten und Syrien zusammen spielen und auftreten. Daniel Barenboim ist nicht nur Dirigent. Er ist auch ein Vermittler, ein Botschafter des Friedens. Solche braucht es angesichts all der gegenwärtigen Kriege und Konflikte auf dem Erdball dringend.