Pubertierende mit überraschendem Witz und Handysüchtige. Was Redakteurin Elisabeth Leitner beim Straßenbahnfahren in Linz erlebte.
Ausgabe: 2014/02, Unter Uns, Bim
08.01.2014
- Elisabeth Leitner
Sie wird kurz „Bim“ genannt: die Straßenbahn, die durch Linz fährt. In der Bim sieht man allerhand: Alte und Junge, Dicke und Dünne, Arme und Reiche. Menschen von nebenan und von ganz weit weg. Sie alle nehmen in der Bim ihren Platz ein. Sie sitzen, stehen und reden – manchmal miteinander, oft „nebeneinander“. Der allgegenwärtige Handykonsum – egal welcher Art – schränkt das Miteinander der körperlich anwesenden Personen gehörig ein. Das bewiesen zwei junge Frauen, die wohl fürs Fortgehen gestylt waren. Sie hatten nur Augen für ihre Handys und stellten nach einiger Zeit fest: „Die Welt ist krank. Krank!“ Kopfschüttelnd verließen sie die Bim. Mit der niederschmetternden Diagnose zurückgelassen, wurde ich am nächsten Tag entschädigt. Ein Bub, der gerade an der Schwelle zur Pubertät stand, stieg in letzter Sekunde mit seinen etwas grantig wirkenden Eltern ein. Schnell wurde ein Stehplatz in der vollen Bim gesucht und anschließend der Tagesablauf minutiös besprochen. Der junge Mann hatte mein vollstes Mitleid. Plötzlich wurde ein Platz frei, die Mutter drängte den Sohn sich zu setzen. Dieser weigerte sich standhaft und sagte mit einer großen Geste zu seiner Mutter hin: „Setz du dich. Ich bin hier die Jugend!“ Nicht nur bei mir zauberte der junge Mann ein Lächeln auf die Lippen.