Wie konnten sie mit ihren Dingen nur so lange Freude haben, die Hinterwäldlerischen – und zufrieden sein, sogar glücklich? Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2014/03, Hinterwäldler, Leitartikel
14.01.2014
Hinterwäldlerisch. So nannte man Leute, die sich dem Fortschritt verweigerten. Für die Moden der Zeit hatten sie keinen Sinn. Wozu etwas Neues, das Alte tut es doch auch! Weltfremd. Untauglich für das Leben im Heute. Hinterwäldlerisch eben. Es gibt sie noch immer: Nur: Hinterwäldlerisch nennt man sie nicht mehr. Mit Respekt begegnet man ihnen: Das sind nicht die Leute von gestern, für die man sie hielt, eher von morgen. Die Müllhalden des Fortschritts sind nämlich groß geworden, die Erleichterungen, die dieser versprach, lasten schwer. Nichts wird mehr alt. Schnell ist man „inkompatibel“ mit dem, was man hat. Auto, Handy, Essensgewohnheiten, bei manchen sogar die Gesinnung: Austauschen, erneuern – so fährst du am besten. Aber das wollen sich immer weniger Leute einreden lassen. Wie konnten sie mit ihren Dingen nur so lange Freude haben, die Hinterwäldlerischen – und zufrieden sein, sogar glücklich? Wer mit der Zeit gehen will, muss in der Zeit sein – nicht ständig davonlaufen, sonst gibt es nur noch das Fortschreiten – kein Bleiben mehr. Ein ständiges Fliehen. Wo die Dinge nicht mehr alt werden dürfen, wird auch der Mensch – wenn er alt ist – kein Zuhause mehr spüren – und ein Fremdling sein.