Der Papst will wissen, was die Leute in Familienfragen denken. Einige Diözesen in Österreich nutzten die Chance zu einer breiten Beteiligung. Andere haben die Chance vertan. Ein Kommentar von Hans Baumgartner.
Zunächst sorgte Papst Franziskus für eine Überraschung, als er ankündigte, die für 2015 geplante Bischofssynode zu Ehe- und Familienfragen soll durch eine „Sondersynode“ vorbereitet werden. Als dann Rom Ende Oktober das Arbeitspapier für die Sondersynode ausschickte, sorgte der Generalsekretär der Bischofssynode, Erzbischof Lorenzo Baldisseri, für die nächste Überraschung. Er ließ die Bischöfe wissen, dass die im Arbeitspapier enthaltenen Fragen möglichst breit erhoben werden sollten. „Wir wollen wissen, was die Leute denken.“ Das war neu – nicht zur Freude aller.
Die österreichischen Bischöfe beschlossen daraufhin, die „Befragung“ in jeder Diözese in Eigenverantwortung durchzuführen. Einige Diözesen beschränkten sich dabei darauf, den vatikanischen Fragebogen online zu stellen und dazu die Möglichkeit zur Meinungsäußerung zu geben – zum Teil mit voller Namens- und Adressangabe. Der Rücklauf war entsprechend mager – auch weil der vatikanische Fragebogen ursprünglich sicherlich nicht für eine „Volksbefragung“ konzipiert war. Andere Diözesen wollten die Chance zu einer breiten Beteiligung nutzen und legten dazu einen vereinfachten Fragebogen auf. Das Echo war überwältigend. Dabei ging es nicht nur darum, die Stimmungslage zu einigen seit langem diskutierten „heißen Eisen“ zu erheben, sagt Gerhard Hofbauer vom Familienreferat der Diözese Graz. Es zeigte sich, dass es gelungen ist, durch diese Befragung viele Menschen zum Nachdenken über ihre eigene Haltung anzuregen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Es geschah aktive Beteiligung. Schade, wo diese Chance vertan wurde.