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Das Elend klopft an die Kirchentür

Dass die Armut bei den Pfarren anklopft, ist nicht neu. Zunehmend sind aber direkt vor der Kirchentür Bettler anzutreffen.
Ausgabe: 2014/12, Bettler, Armut, Wels, Sattledt, Podiumsdiskussion
18.03.2014
- Paul Stütz
© absolut - Fotolia
Wer am Sonntag in Sattledt den Gottesdienst besucht, wird meist schon von einem Bettler erwartet, der auf ein paar Münzen hofft. „Die Bettler sind unaufdringlich“, beschreibt Wolfgang Federmair aus der Pfarre Sattledt die Situa­tion. Vor allem ältere Menschen geben den Bettlern eine Münze, ist seine Beobachtung. „Ich glaube, weil sie die Not noch aus eigener Erfahrung kennen“, sagt Federmair. Äußerst unwahrscheinlich ist, dass die Bettelmigranten wie eine Mafia organisiert sind, macht Wolfgang Federmair in einem Artikel im aktuellen Pfarrblatt „Kontakte“ deutlich.  Und, wie Federmair betont: „Betteln ist besser als zum Beispiel Einbrechen.“

„Unwürdig“, wenn Bettler knien.


Wie in Sattledt betteln auch in Wels immer mehr Menschen direkt beim Eingang der Pfarrkirchen. „Ich vermute, das liegt daran, dass sie von den öffentlichen Plätzen vertrieben werden“, sagt Wilfried Scheidl von der Regionalcaritas Wels.  Die Bettler kommen vorwiegend aus der Slowakei und aus Rumänien. Ihnen wird bekannt sein, dass es für Christen moralische Vorgabe ist, sich spontan vom Elend ­anderer anrühren zu lassen.
In den Welser Pfarren tut man sich trotzdem schwer mit der neuen Klientel. „Es beschämt die Leute, wenn sich die Bettler vor die Kirche hinknien. Ich finde es unwürdig und es löst bei mir ein eigenartiges Gefühl aus“, gibt Andreas Hasibeder, Pfarrassistent von Wels-St. ­Josef im Stadtteil Pernau, zu. Dennoch sagt der Theologe gleichzeitig: „Wir halten die Bettler als Pfarre aus. Es ist jetzt kein Riesenproblem.“ Ähnlich sieht das Caritas-Mann Wilfried Scheidl: „In Wels wird das Thema Betteln politisch benutzt und ist deshalb sehr aufgeladen.“ Für ihn steht fest, dass die Menschen aufgrund einer Notlage betteln. Es solle sich niemand dazu verpflichtet fühlen, ihnen etwas zu geben, will Scheidl nicht die Moralkeule schwingen. Wichtig ist ihm aber festzuhalten: „Wir müssen als Kirche hinschauen statt wegschauen.“

Bettler spendet für die Pfarre.


Wie im Falle Sattledt durch direkte Kontaktaufnahme mit den Bettlern. Hans Kreutzer, der in der Pfarre ehrenamtlich engagiert ist, lädt einen der Bettler immer wieder auf einen Kaffee ein. „Der junge Slowake ist eher verschlossen, aber freundlich“, berichtet Hans Kreutzer. Oft stelle sich der Bettler beim Sonntagsgottesdienst hinten in die Kirche. Dabei fällt Kreuzer Erstaunliches auf: „Der Bettler schmeißt dann immer was rein in die Kirchensammlung.“ 

- Podiumsdiskussion der Kirchen von Wels und Umgebung: „Ham’s an Euro, bitte? Wie begegnen wir bettelnden Menschen?“ am Freitag, 21. März, 19 Uhr, Pfarrzentrum der Stadtpfarre Wels, Stadtplatz 31.

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