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Der Kommentar zum Sonntag

Sonntag, 9. August 1998
Ausgabe: Glauben, Nicht-Wissen
04.08.1998
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die Sonntagskommentare verfaßt jeweils für ca. ein Monat immer ein/e andere/r Frau/Mann, die im kirchlichen Verkündigungsdienst steht. Derzeit kommentiert Johannes Frank. Er ist Lehrer für Religion und Deutsch und lebt in Puchkirchen, Oö. Traut man dem Volksmund, so ist Glaube gleichzusetzen mit Nicht-Wissen. Glauben heißt bestenfalls vermuten. Dabei wird oft übersehen, daß der Sachverhalt bezüglich des religiösen Glaubens, dem Thema der heutigen Lesungen, entscheidend anders liegt. Glaube an Gott hat nämlich mit Vertrauen zu tun, nicht mit Vermutungen. Ich glaube nicht etwas, sondern dir, Gott! Die Beziehung steht im Vordergrund, ich vertraue darauf, daß Gott mich kennt und gern hat. Ccredo kommt von cor dare, das heißt soviel wie „das Herz geben“.Vertrauen kann man nicht erzwingen, Vertrauen bekommt man geschenkt oder verschenkt man. Mit Recht wird im Hebräerbrief Abraham als Prototyp dieses Glaubens aus Vertrauen gefeiert. Ein solcher Glaube gibt Hoffnung und eröffnet Zukunft. So ist es zu wagen, von Dingen überzeugt zu sein, die man nicht sieht und fest zu stehen in dem, was man erhofft (vgl. Hebr 11, 1).Glaubenslehrer/in seinEs ist eine unserer vordringlichsten Aufgaben als Christinnen und Christen, diese unsere Glaubenserfahrungen an die nächste Generation weiterzugeben. Leider meint man heute manchmal immer noch, daß dies mittels eines Katechismus geschehen könne. Doch ein Katechismus als Indoktrination von Sätzen, die für wahr zu halten sind, Antworten auf nie Gefragtes, haben mit dem Glauben im oben beschriebenen Sinn herzlich wenig zu tun. Glaube läßt sich nicht zwischen zwei Buchdeckel zwängen. Ein Katechismusglaube hat mit meinem Leben nichts zu tun, er pflegt höchstens das Mißverständnis weiter, daß Glaube doch hauptsächlich mit Wissen zu tun habe.Christlicher Glaube hat aber viel mehr mit persönlicher (Got-tes)Erfahrung zu tun. C. G. Jung sagt: „In religiösen Dingen kann man bekanntlich nichts verstehen, was man nicht innerlich erfahren hat!“ Solche Glaubenserfahrung kann gelingen, wenn man sich die Offenheit für das Größere im Leben bereithalten will, wenn man auch im Alltäglichen das Transzendente durchscheinen läßt, wenn man der eigenen Tiefe nachspürt. Das ist der Glaube in der Freiheit eines Christenmenschen. Wer hingegen auf den satzhaften Wahrheiten eines (Welt)katechismus beharrt, setzt sich dem Verdacht aus, diesen als Regelbuch des wahren Glaubens zur Überprüfung der Rechtgläubigkeit zu instrumentalisieren. Nochmals: Nicht in erster Linie durch das Lehren von Inhalten, sondern vor allem durch das Ermöglichen von religiöser Erfahrung werden wir unseren Glauben an die heutige Generation als für deren Leben bedeutsamen Schatz weitergeben können.Einbruch in mein LebenDas Evangelium macht uns auf ein drittes Wesensmerkmal des Glaubens aufmerksam: Glaube meint auch die Haltung der Wachsamkeit, der Bereithaltung. Das Gleichnis vom Hausherrn und vom Dieb ist ein Aufruf zur klaren Entscheidung. Der einzige Einbruch, auf den gläubige Menschen achten müssen, ist der Einbruch Gottes in unser Leben. In diesem Punkt versöhnen sich Glaube und Wissen wieder: Wir glauben und wissen, daß wir nie tiefer fallen können, als in Gottes Hände!
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