Protest ist ein Bürgerrecht. Wir halten die Demonstrationsfreiheit hoch. Aber sind wir mit ihrer praktischen Umsetzung konfrontiert, bekommt die Sache Wenn und Aber. Ein Beispiel ist der Temelin-Protest, der wieder zur Grenzblockade geführt hat.
Unsere Zeit ist grundsätzlich demokratisch, spricht sich für viele Freiheiten aus. Grundsätzlich. Doch dann kommen die grundsätzlichen Wenn und Aber. Das macht den Protest schwierig, weil er für jene, denen der Protest gilt (im konkreten Fall die Temelin-Verantwortlichen) kalkulierbar schwächelt. Sie setzen Tatsachen im Zeitraffer, während der Widerstand im Tempo der Zeitlupe agiert.
Ein Wenn bei der Grenzblockade kam von der Katholischen Aktion: Warnung vor Maßnahmen, die sich gegen die tschechische Bevölkerung richten. Das Aber steuerte die Wirtschaftskammer bei: Grenzblockaden verhärten die Fronten. Und auch in mir brauen sich Wenn und Aber zusammen: Gibt es wirklich keine g’scheiteren Protestmaßnahmen? Ich scheue mich, das öffentlich zu sagen, weil es den Protest schwächt. Es fehlt unserer Gesellschaft eine Kultur des Widerstands, sinniere ich. Inzwischen läuft das Werkl auf Volldampf.