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Schwestern Oblatinnen: „Der heilige Franz von Sales hat unser Haus gerettet“

KIRCHE_OÖ

Die Ordensgemeinschaft der Schwestern Oblatinnen lebt im Geist des heiligen Franz von Sales. Die Schwestern der Niederlassung Linz-Urfahr verbinden mit ihm darüber hinaus ein besonderes Ereignis: den Schutz in der Zeit des Nationalsozialismus. Zum Gedenktag des Heiligen am 24. Jänner erzählt Sr. Maria-Brigitte Kaltseis darüber. 

Ausgabe: 04/2026
20.01.2026
- Josef Wallner
Sr. Maria-Brigitte Kaltseis, Oblatin des hl. Franz von Sales, bei der Statue des hl. Franz von Sales, die die Schwestern in der NS-Zeit beschützt hat. Sie steht wie damals im Noviziatszimmer im Kloster in Linz-Urfahr.
Sr. Maria-Brigitte Kaltseis, Oblatin des hl. Franz von Sales, bei der Statue des hl. Franz von Sales, die die Schwestern in der NS-Zeit beschützt hat. Sie steht wie damals im Noviziatszimmer im Kloster in Linz-Urfahr.
© KIZ/JW

Alles beginnt mit einer Statue, einer künstlerisch mäßig qualitätsvollen Arbeit des Linzer Bildhauers Ludwig Max Linzinger. Seine Werkstätte hat für das einst neue Haus des katholischen Pressvereins an der Linzer Landstraße (heute Thalia) eine lebensgroße Statue des heiligen Franz von Sales angefertigt. Sie fand dort im Stiegenhaus ihren Ehrenplatz.

 

Bei der Segnung des Hauses 1903 machte der Bischof vor der Statue Halt, um sie eigens zu weihen: Ist doch der heilige Franz von Sales der „Patron der guten Presse“, wie ein Artikel im Linzer Volksblatt erklärt. Unter seinem Schutz stand die Arbeit des Pressvereins – bis über Nacht alles anders wurde. Vom 12. auf den 13. März 1938 wurde der Pressverein gestürmt und mit seinen Zeitungen und Druckereien in ganz Oberösterreich unter nationalsozialistische Verwaltung gestellt. Das blieb bis zum Kriegsende so.

 

Rettung der Statue


In der Hauschronik der Schwestern Oblatinnen von Urfahr findet sich nach einem kurzen Bericht über den Anschluss die lapidare Notiz, dass „das Fräulein Barth vom Katholischen Preßverein“ die Franz-von-Sales-Statue vom Pressvereinsgebäude ins Kloster der Oblatinnen bringen ließ.

 

Es liegt auf der Hand, dass sie sie vor der Zerstörung bewahren wollte. Auch wenn es weder schriftlich noch mündlich bezeugt ist, gehörte zu dieser Rettungsaktion vermutlich eine gehörige Portion Mut. Die Statue jedenfalls fand im Kloster der Oblatinnen des heiligen Franz von Sales nicht nur einen Ort, wo sie sicher war, sondern wo sie auch in ihrer Bedeutung geschätzt wurde. Die Holzskulptur  bekam im Noviziatsraum ihre neue Bleibe.


Im Gegensatz zu den Bedrängnissen, denen die Schwestern Oblatinnen und auch alle anderen Ordensgemeinschaften in Linz ausgesetzt waren, könnte man die Rettung einer Heiligenstatue als historische Fußnote bezeichnen. Doch für die Oblatinnen bedeutet sie mehr, viel mehr. Zug um Zug haben die NS-Machthaber auf das Kloster der Oblatinnen zugegriffen. Die Schwestern verloren Raum um Raum: unter anderem an die NS-Frauenschaft, die Hitlerjugend und das Finanzamt.

 

Schließlich konnten die Schwestern äußerst beengt nur mehr im 2. Stock wohnen. Aber auch das sollte ihnen noch genommen und die Ordensfrauen auf die Straße geworfen werden.

 

Am 9. Juli 1942 wurden alle Frauenklöster in Linz enteignet (mit Ausnahme der Krankenhäuser). Möglicherweise war es an diesem Tag, als sich bei den Oblatinnen Folgendes ereignete: Die Schwestern waren im Noviziatszimmer versammelt, vor den Füßen einer jeden ein kleiner Koffer mit den wenigen Habseligkeiten. Die Schwestern – so erzählen es die Oblatinnen – standen im Halbkreis mit Blick auf die Tür. Gauleiter August Eigruber war schon im Haus und ging durch die Räume. Am Schluss sollte er zu den Schwestern kommen und anordnen, dass sie ihr Haus unverzüglich zu verlassen haben. 

 

Erschrecken mit Folgen


Die Schwestern hörten bereits den Tross näher kommen, die Tür öffnete sich, der allmächtige Gauleiter stand in der Tür – und drehte am Absatz um und verschwand. Eine Stunde später kam ein Anruf: das Haus sei enteignet, die Schwestern dürften aber weiterhin darin wohnen.

 

Was war passiert? Die Schwestern schreiben das dem heiligen Franz von Sales zu. Sie hatten die lebensgroße Statue vom Pressverein in ihren Halbkreis genommen. Der Gauleiter hatte sich bei diesem Anblick so erschrocken, dass er fluchtartig das Haus verließ. So wird es in der Gemeinschaft der Oblatinnen seither überliefert.

 

„Der heilige Franz von Sales hat unser Haus gerettet“, fasst Sr. Maria-Brigitte Kaltseis zusammen, was auch die Überzeugung ihrer Gemeinschaft bezüglich der Ereignisse von damals ist.   

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