Das Image der Kirche, wird behauptet, sei im Keller. In Bezug darauf, was sich ereignet hat, ist das ein guter Ort: In Kellern gärt, was den Sommer über gewesen ist. Damit dieser Gärungsprozess gut verlaufen kann, sind Bedingungen nötig. Die Umgebung muss passen, die Temperatur stimmen. Bei Sauerkraut, Most und Wein ist es so, in der Kirche auch.
Gärungsprozesse sind Klärungsprozesse. Damit die Kirche – das sind Menschen – wieder zu größerer Klarheit kommen kann, braucht es nun auch die guten Bedingungen für den Gärungsprozess. Klarer werden soll zum Beispiel, wo für die Kirche der Kernpunkt des Glaubens liegt: bei Christus und seinem heilenden und versöhnenden Wirken unter den Menschen. Eine Kirche, in der die Gläubigen ihr Vertauen mehr auf Christus selbst setzen, wird krisenfester sein – und wandlungsfähiger. Vielen ist noch nicht bewusst, wie sehr sich die Strukturen der Kirche in den kommenden Jahren wandeln werden und wie sehr man von Gewohntem Abschied nehmen wird müssen. Der Gärungs- und Klärungsprozess für die künftige Gestalt der Kirche verträgt keine Hektik. Der Prozess darf aber auch nicht gestoppt werden. Im Stadium, in dem Traubensaft zum „Sturm“ geworden ist, ist er nur kurz halt- und genießbar. Bei „Sturm-Zeiten“ der Kirche ist nicht anders.
Das kirchliche „Krisenmanagement“ in der Sache St.Pölten war bei der Schwere der Ereignisse gar nicht so schlecht. Es erinnert an den Vorgang der Gärung: Mit Geduld, aber konsequent. Und so soll es weiter geschehen.