Ihre Mission sorgt nicht nur in Europa für großes Interesse, sondern auch in den USA für heftige Kontroversen: Rita Süssmuth leitet die Beobachter der OSZE bei der Wahl des US-Präsidenten am 2. November.
Was Rita Süssmuth (67) bei den Salzburger Hochschulwochen im August gesagt hat, war schon eine Vorbereitung auf ihren Aufenthalt in den USA: „Sehen wir uns vor, nicht Gott zu beanspruchen, wo er nicht hingehört.“ Zutreffend, angesichts der religiösen Färbung des Wahlkampfes zwischen George W. Bush und John Kerry, was die engagierte Katholikin da formulierte. Aufgewachsen in einer Familie, die in zahlreichen Vereinen und der Kirche aktiv mitgearbeitet hat, wurde ihr politisches Interesse schon früh geweckt. So ist auch zu verstehen, wenn die langjährige CDU-Ministerin heute sagt, es bestehe eine gemeinschaftliche Verantwortung auch der Religionsgemeinschaften, Freiheit und Demokratie ernst zu nehmen und die Menschenwürde zu verteidigen.Nach den Wahlen in Russland 2003 leitet Süssmuth nun die rund 100 Wahlbeobachter, die von den Mitgliedern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in die USA entsendet werden – und woran sich Österreich nicht beteiligt. Der im September erstellte Bericht zur Wahlvorbereitung hat viele heikle Fragen aufgedeckt: beispielsweise kann der Stimmzettel per Fax abgegeben werden, was den Menschenrechten widerspricht. Und dass vier bis sechs Millionen nicht in Wahllisten registriert sind, kann wahlentscheidend sein. Im Jahr 2000 waren es nur 537 Stimmen in Florida, die Bush zum Präsidenten gemacht haben.