Ausgabe: 2004/45, Irak, Krieg, Sozial-Katechet, Martino, Kardinal
02.11.2004
- Walter Achleitner
Vor dem Irak-Krieg galt er im Vatikan als einer der radikalsten Gegner des US-Feldzuges. Die Kontroverse findet sich auch im Sozialkatechismus wieder, den Kardinal Renato Martino nun vorgestellt hat.Für einen Karrierediplomaten waren es ungewohnt harte Worte, die Renato Raffaele Martino gegen den Irak-Feldzug der USA fand: er nannte den Präventivkrieg „ein Verbrechen gegen den Frieden, das vor dem Angesicht Gottes nach Vergeltung schreit“. Die Kritik wirkt nach. Erst vor kurzem behauptete ein Vatikankorrespondent, es ginge 60 zu 40 für den Katholiken Kerry aus, dürfte die Kurie zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten wählen. Sein Kronzeuge: Renato Martino. Die Mutmaßung weckte zwar heftigen Unmut des bald 72-jährigen Süditalieners, jedoch auch innerhalb der Kurie wurde ihm bereits „Antiamerikanismus“ unterstellt. Dennoch heißt es im Sozialkatechismus, den Martinos Rat erstellt hat: „Ein Präventivkrieg, ohne überzeugende Beweise eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs geführt, muss zwangsläufig schwere Fragen moralischer und rechtlicher Art aufwerfen.“Dabei wurde Martinos Ernennung im Herbst 2002 so gesehen, dass nach prohetischen Gestalten erstmals ein Diplomat an die Spitze des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden wechselt: 16 Jahre war er ranghöchster Vatikan-Vertreter bei der UNO in New York. Eine Erfahrung, die den Kardinal prägt. Er sagte, „soziale Themen werden eine immer wichtigere Rolle spielen im Dialog der Religionen“. Und da will das Kompendium eine Orientierungshilfe bieten.