Kurt Eichinger aus Leonding ist ehrenamtlich bei Afghanistan-Projekt
Ausgabe: 2004/45, Eichinger, Leonding, Afghanistan, Gansinger, Krieg
03.11.2004
- Ernst Gansinger
Digital Camera
Nach dem Tod seiner Frau im Juni 2003 ist der 68 jährige Leondinger Kurt Eichinger in ein tiefes Loch gefallen. Dann fand er ein neues Ziel: Helfen in Afghanistan.
Kurt Eichinger lernte Bürokaufmann, war später im Baustoffgroßhandel tätig, dann Trafikant. Nun ist er Pensionist. Zeitlebens ist er der Pfadfinderei verbunden. Diese Verbundenheit brachte ihn nach Afghanistan.
Am Silvesterabend ...
Eichinger hatte zwar schon vom Caritas-Afghanistan-Projekt „Solidarität gegen Krieg“ gehört, mit 1. Jänner 2004 aber wurde dieses Bestandteil seines Lebens; nun „gehört“ er zum Projekt. Am Silvesterabend 2003 stand er am Grab seiner Frau und sprach mit ihr in Gedanken: Was soll ich tun, mein Leben hat kein Ziel mehr? Am nächsten Tag wusste er, seine Aufgabe liegt in Afghanistan. „Ich brauche nichts bezahlt, nur dass ihr mich nehmt“ – so wurde er bei seinem langjährigen Pfadfinder-Freund Dietmar Goetzloff vorstellig, der beim Afghanistan-Projekt von Peter Quendler, dem Kärntner Caritasmann, und Otto Hirsch, dem Linzer Unternehmer, mitmacht. Goetzloff ist, weil er Textil- und Fabrikserfahrung hat, immer wieder in Kundus, wo eines der Projektteile die Errichtung und Führung einer Textilfabrik ist. Auch Otto Hirsch ist Pfadfinder. Ihnen allen hat sich ein Wort des Pfadfindergründers Baden Powell eingeprägt: „Versuche, die Welt ein bisschen besser zu verlassen, als du sie angetroffen hast.“
Bisher zwei Einsätze
Kurt Eichinger wäre schon als Jugendlicher gerne in die Entwicklungshilfe gegangen. Kaufleute brauchte man damals aber noch nicht. Jetzt ist sein Einsatz gefragt. Ende Oktober 2004 kam er von seinem zweiten, einem sechswöchigen Aufenthalt aus Afghanistan zurück. Er wollte Allerheiligen daheim sein.
Mitte November fährt er ein drittes Mal nach Kundus, denn die Arbeiten, die er im Herbst machen wollte, waren teilweise nicht möglich. An der Grenze in Usbekistan wurde der Container mit den Hilfsgütern zurückgehalten. Mitte März 2004 brach Eichinger das erste Mal nach Afghanistan auf. Er kam in eine Welt, die noch viel ärmer war, als er sich das vorgestellt hat, und blieb neun Wochen. Das war länger als geplant. Denn schon damals hatten die Container große Verspätung. Eichinger betreute bei seinem ersten Einsatz die Abschlussarbeiten vor der Eröffnung des Projektes im Mai 2004. Güter wurden in Teilen geliefert. Sie galt es zusammenzubauen. Schulbänke mussten abgeschliffen werden. Auch baulich war einiges nachzuarbeiten. Für Hilfsarbeiten organisierte er sich einheimische Arbeitslose am Markt – Taglöhner. Nachdem auch jetzt wegen der Container-Blockade in Usbekistan etliche Arbeiten nicht abgeschlossen werden konnten, wird Eichinger Mitte November wieder nach Afghanistan aufbrechen. Zu Weihnachten will er in Österreich sein. Die heiligen Zeiten sind ihm wichtig, sie will er mit Kindern und Enkerl verbringen. Kaum aber ist er in Österreich und allein in seiner Wohnung, kommt der Schmerz der Einsamkeit zurück. „Ich bin noch nicht am Ziel“, sagt er.
Das Caritas-Projekt „Solidarität gegen Krieg“ in Afghanistan ist ein Frauenprojekt mit Nähfabrik, Kindergarten, Küche, Schule sowie Sozialstation, die mittlerweile 260 Familien betreut. www.sgk-caritas.comKonto Nr. 621-0203.20, Oberbank Linz (BLZ 15000).