Die Caritas lenkt mit der heurigen Elisabethsammlung die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Not wohnungsloser Frauen.
Frederike Gratzl ist 78 Jahre alt. Seit einem Vierteljahrhundert wohnt sie eigentlich nicht mehr. Als ihr Onkel, bei dem sie gewohnt hatte, starb, wurde sie wohnungslos. Es zog ihr den Boden unter den Füßen weg. Ruinen von Bauernhöfen im nördlichen Teil des Bezirkes Rohrbach waren seither ihr Quartier. Ebenso die Terrasse eines Wochenendhauses und jetzt ein Wohnwagen, den ihr die Gemeinde Ulrichsberg aufgestellt hat.
Ulrichsberg hilft
Frau Gratzl wird vom (jungen) Projekt „ReWo“ – Regionales Wohnen – der ARGE für Obdachlose betreut. Dieses will Wohnungslosen in Landgemeinden zu einer Wohnung verhelfen. Sozialarbeiterin Helga Fürlinger hat Gemeindevertreter der Böhmerwaldregion zu einer Helferkonferenz gebeten. Der Bürgermeister von Ulrichsberg bot dann Unterstützung an. Am 1. Dezember könnte es klappen, dass Frau Gratzl eine Wohnung bekommt. Mit Bad, fließendem Wasser, Heizung. Luxus pur für jemanden, der seit Jahren härtere Bedingungen gewohnt ist.
Frau Krätzl hadert nicht mit dem Schicksal. Sie teilt es bis heute meist mit ihrem 48-jährigen Sohn, der zwar in Linz gemeldet ist, aber trotz Rheumaleidens immer wieder Unterschlupf in der Nähe der Mutter im Wald hat. Sie versteht sich auf die Wirkung von Kräutern, die sie selbst sammelt. Die Bevölkerung nennt sie deshalb auch „Waldfee“.
Ungewohntes Wohnen
Fünfundzwanzig Jahre nicht mehr gewohnt! Das Wohnen nicht gewohnt! Die Frau wird Unterstützung brauchen, um ganz gewöhnliche Handgriffe zu erlernen: etwa, eine Waschmaschine in Betrieb zu setzen oder auf dem Herd zu kochen. Das Projekt „ReWo“ hofft auf örtliche Helfer/innen und wird Frau Gratzl noch ein Jahr betreuen, außerdem ein Auge darauf haben, dass sich Frau Krätzl nicht „vermüllt“.
Tiefer Fall
Tief gefallen ist auch Claudia. Ihre Lebensgeschichte ist auf der Internetseite der Arge für Obdachlose (www.arge-obdachlose.at) nachzulesen. Sie schreibt von keiner außergewöhnlichenKindheit, beginnenden Spannungen in der Ehe der Eltern, vom unfreiwilligen Auszug aus dem Elternhaus mit 18 Jahren, von früher Mutterschaft und Trennung vom Kindsvater, weil er nichts taugt. Auch die zweite Beziehung geht schief. Ihre Kinder kommen zu den Großeltern. Sie wird vom Mann geschlagen, der ihr auch ihr verdientes Geld nimmt.
Nur betäuben!
Claudia beginnt zu trinken, wird arbeitslos, gerät mit der Miete in Rückstand, wird delogiert, verliert das Sorgerecht für die Kinder, wohnt u. a. in einem Zelt an der Traun, wird tablettensüchtig. „Nur betäuben! Nur nicht nachdenken müssen!“, beschreibt sie diese Zeit. Sie erkrankt an Hepatitis C. Das Leben wird ihr egal.„Heute bin ich in einem Substitutionsprogramm und halte Leberdiät. Ich möchte doch noch ein paar Jahre leben.“ Sie hat vor acht Jahren mit dem Trinken aufgehört, fand mit Hilfe der „ARGE für Obdachlose“ eine Übergangswohnung und sagt: „Langsam komme ich wieder auf die Beine.“
Caritas-Elisabethsammlung: PSK-Spendenkonto: 2.314.000, BLZ 60000, „Inlandshilfe“.ARGE für Obdachlose, „ARGE SIE“ für wohnungslose Frauen (Erstgespräche Montag, 9 bis12 Uhr, ev. Übergangswohnungen), Marienstraße 11, 4020 Linz, Tel. 0732/77 08 05, E-Mail: