Ausgabe: 2005/08, Kopf der Woche, Bischof mit Staatspreis, Ramazzini
25.02.2005
- Walter Achleitner
Alvaro Ramazzini erhielt den österreichischen Staatspreis für Natur- und Umweltschutz. Das vierfache Preisgeld aber setzen in Guatemala die Gegner des Bischofs auf seine Ermordung.
Der „Kampf um das Unwiederbringliche“ ist das Generalthema des österreichischen Staatspreises für Umweltschutz. Da fällt auf, dass bereits zum zweiten Mal ein katholischer Bischof aus Lateinamerika mit dem Konrad-Lorenz-Preis ausgezeichnet wird. Auf den Austro-Brasilianer Erwin Kräutler im Jahr 2002 folgte am Dienstag Alvaro Ramazzini aus Guatemala. Wie Kräutler, in dessen Diözese vergangene Woche drei Menschen von Auftragskillern getötet wurden, so lebt auch der Bischof von San Marcos an der Grenze zu Mexiko im Fadenkreuz der Mächtigen. Erst Ende Jänner wurden Details zu einem Mordkomplott an dem 57-Jährigen bekannt. Mit der Auszeichnung erhält Ramazzini zwar 10.901 Euro. Armutszeugnis für den „Kampf um das Unwiederbringliche“ ist, dass Ramazzinis Gegner das Vierfache für seinen Kopf bieten.
„Mut“ – eines der drei Kriterien für die Auszeichnung – kann auch Lebensminister Josef Pröll beweisen, sollte sich sein Beitrag zum Staatspreis nicht bloß auf die Feier der Verleihung im Naturhistorischen Museum beschränken. Denn Alvaro Ramazzini kämpft derzeit gegen ein Goldbergbauprojekt, das die Umwelt und die Lebensgrundlage der Ureinwohner unwiederbringlich zerstört. Deshalb zählen neben kanadischen Multis auch höchste Regierungskreise in Guatemala zu den Kritikern des neuen österreichischen Staatspreisträgers.
„Man will uns terrorisieren und einschüchtern und gleichzeitig unsere Arbeit in Misskredit bringen.“
Bischof Alvaro Leonel Ramazzini Zum Thema Landkonflikte: Seiten 10/11