Nach über 30 Jahren Einsatz gegen Atomkraftwerke hat sich Mathilde Halla, erste Solidaritätspreisträgerin der Kirchenzeitung (1994), aus dem „offiziellen antiatomaren Leben“ zurückgezogen.
Mathilde Hallas Resümee fällt als Ermutigung zum Trotzdem aus: Es macht trotzdem Sinn, trotz aller Rückschläge für mehr Schöpfungsverantwortung einzustehen und, wenn es sein muss, auch auf die Barrikaden zu steigen. „Was vielleicht meine wichtigste Erfahrung war und was ich jedem jungen engagierten Menschen sagen möchte ist, dass man nie verbissen werden darf.“
Eine zufriedene Unzufriedene
Sie hat ihren Glauben an eine bessere Welt behalten und manch Unbegreiflichem, dem sie in den Jahrzehnten gegenüber stand, konnte sie nur den Selbstschutz des Humors entgegensetzen. „Ich kann nicht sagen, dass ich zufrieden bin mit der Situation, dass der internationale Atomausstieg noch immer nicht erreicht ist. Aber ich bin zufrieden mit dem, was wir Atomgegner in all den Jahren getan haben, um dem Ziel näher zu kommen.“
Von Optimismus ist ihr Engagement geprägt: „Ich bin sicher, dass die Zukunft den Ausstieg aus der Atomkraft bringen wird.“ – Ein Optimismus, trotzdem in den Österreich umgebenden Ländern etwa 40 Atomkraftwerke stehen. – Trotzdem das AKW Temelin schon mehr als 75 Havarien in seiner erst jungen Geschichte hatte. Trotzdem die Atomlobby Pläne für fast 30 neue Atomkraftwerke in Europa hat. Trotzdem „es unendlich viele Enttäuschungen gegeben hat, die ich aber immer wieder überwinden konnte. Das war vielleicht eine glückliche Gabe, die ich mitbekommen habe, dass ich schnell vergessen konnte und immer wieder neue Hoffnung geschöpft habe. Man kann das auch unverbesserlichen Optimismus nennen.“
Wunsch: Mehr Widerstand
Halla wünscht sich, dass der Widerstand breiter wird und die Menschen mehr verstehen, dass man für die Zukunft etwas tun muss. So wird auch sie sich weiterhin für eine „atomkraftfreie“ Zukunft einsetzen. Denn man kann von Überzeugungen nicht in den Ruhestand treten. „Aber ich bin sehr froh, dass ich jetzt auch mehr für meine immer größer werdende Familie und mich selber Zeit haben werde.“
Als junge Frau mit zwei Kleinkindern hat sie ihren Widerstand gegen die Atomkraft begonnen. Ein Arzt – Dr. Tisserand – gab den ersten Impuls. Einer der wichtigsten Antriebe war das Gefühl der Verantwortung für die Kinder und künftige Generationen. „Die Leiden der Kinder aus Tschernobyl haben mich in der Auseinandersetzung mit den oft sehr gleichgültigen Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Medien immer wieder meinen inneren Schweinehund, der manchmal resignieren wollte, überwinden lassen.“
Viele Menschen haben Mathilde Hallas Weg begleitet und gestützt. Allen voran nennt sie ihren Mann, „dem mein Engagement zwar manchmal wirklich sehr beschwerlich war, der aber, wenn es darauf angekommen ist, an meiner Seite war und der mir mit seiner größeren Distanz oft geholfen hat, klarer zu sehen und aus den eigenen festgefahrenen Vorstellungen herauszukommen.“ Mathilde Halla knüpfte durch den Temelin-Widerstand auch grenzüberschreitende Freundschaften, etwa mit Dana Kuchtova aus Krumau, der Obfrau der Südböhmischen Mütter gegen Atomgefahr. „Ihre Zivilcourage hat mir immer Mut gemacht“, sagt Halla.
Zur Sache
Die Generalversammlung der Oö Plattform gegen Atomgefahr wählte am 10. Februar 2005 einen neuen Vorstand und gab dem Verein den neuen Namen „atomstopp_atomkraftfrei leben!“