Ausgezehrt. Erschöpft. Und er war erst 24, als er im Konzentrationslager Mauthausen starb. „Ich bin Katholik“, hatte der junge Franzose beim Verhör begründet, warum er sich bei der verbotenen Katholischen Arbeiterjugend engagiert hatte. „Viel zu katholisch“. Mit diesem Vorwurf war der junge Zwangsarbeiter Marcell Callo in der Waffenfabrik Walther & Sohn am 19. April 1944 verhaftet worden. Im Oktober wurde er nach Mauthausen gebracht. Von jetzt an war er nur noch die Nummer 108 548. Am 19. März 1945 verließen ihn die körperlichen Kräfte. Er starb.
Gedenkjahr 2005. Die Termine offizieller Anlässe häufen sich. Doch es sind vor allem die „kleinen“ Gedenktage vom Schicksal vieler Einzelner, die man zur Nummer herabgesetzt hat – und denen man doch die Würde nicht nehmen konnte. Sie zeugen vom Unantastbaren, das sich nicht durch Haft noch durch Folter austreiben lässt.
Glaube ist viel mehr, als nur bestimmte Glaubenssätze für richtig zu halten. Glaube ist Einstehen mit dem eigenen Leben, weil man an die Liebe Gottes glaubt – und weil man sie mit dem eigenen Leben darzustellen versucht.
Woher nahmen Menschen diese Kraft? Callo hatte daheim Familie, acht Geschwister und eine Verlobte. Grund genug, seine Haut zu retten. Warum tat er es nicht? Was war ihm so wichtig?Sie tätowierten die Nummer in seinen Arm und wussten nicht, dass sie damit einen Hinweis mehr beglaubigt hatten – dass Liebe stärker ist.