Ausgabe: 2005/11, Dorf des Glaubens, Jesus, Das Dorf, das vor euch liegt,
16.03.2005
- Matthäus Fellinger
Geht zurück. Holt, was wir verloren haben. So hat Jesus nicht gesagt. Nach vorne geschickt hat er die Jünger, als sie sich Jerusalem näherten: „Geht in das Dorf, das vor euch liegt.“ Dort haben sie den Esel gefunden – jenes ganz gewöhnliche Tier, mit dem man die einfachen Arbeiten erledigte. Kein „Dienstfahrzeug“ also für den repräsentativen Auftritt. Aber das ist schon eine andere Geschichte. Es lohnt sich, beim Gedanken über die Grundrichtung zu bleiben, die Jesus nahe gelegt hat. Beim Blick nach vorne – und nicht nur der Blick; auch die Füße nehmen den Weg nach vorne.
Dabei gab es für religiöse Menschen eine wirklich reiche Tradition. Der Blick zurück lohnt sich – und Jesus selbst war vertraut mit der Tradition. Da lässt sich in der Tat Orientierung finden. Wer nach dem Sinn seines Weges sucht, findet eine Fülle an Orientierungspunkten in den schon gelebten Erfahrungen des Gottesvolkes. Doch es kann nicht beim Blick zurück bleiben. „Geht ins Dorf, das vor euch liegt“, ermuntert Jesus die Seinen.
Eine Zeit des Umbruchs verleitet zum verliebten Blick zurück. Wie war das doch damals! Wie schade um dies und das. Und wie kümmerlich sieht das Heute aus. Der Blick zurück kann lähmen. Das Dorf des Glaubens liegt vorne. Dort, sagt Jesus, findet ihr, was jetzt nötig ist. Ein Esel zwar nur, aber immerhin. Keine großartigen Konzepte also, keine Trends, die das Fortkommen begünstigen. Aber die Wirklichkeit. Ostern beginnt mit dem Schritt ins Dorf, das vorne liegt.