Nach Oberösterreich kam der Papst nicht nur als Prediger. Er nahm auch für sich selbst viel mit. Angetan zeigte er sich von der Art, wie hier Liturgie gefeiert wird.
„So etwas habe ich noch nie erlebt!“ So drückte sich Johannes Paul II. bei seiner zweiten Pastoralreise nach Österreich aus, die ihn im Juni 1988 auch nach Oberösterreich führte. Er erlebte soeben den Wortgottesdienst in Enns-Lorch. Die Feier beeindruckte ihn so sehr, dass er eine freie, nicht vorgesehene Ansprache hielt. Im Mittelpunkt des Wortgottesdienstes standen die Probleme der Arbeitswelt und der Bauern. Der Papst hörte sich die Sorgen an, zeigte sich aber auch beeindruckt von einer Tanzgruppe, die das Te Deum zum Ausdruck brachte. Selbstverständlich akzeptierte er Mädchen als Ministrantinnen in seiner Nähe – eine Frage, die damals noch nicht selbstverständlich war. In Oberösterreich besuchte der Papst auch die KZ-Gedenkstätte Mauthausen. „Haben wir nicht mit allzu großer Eile deine Hölle vergessen?“, fragte er in einer meditativen Ansprache. Er kniete unter anderem vor dem Bild des hier ums Leben gekommenen Marcel Callo nieder. Es kam auch zu einer Begegnung mit Franziska Jägerstätter. An der Außenwand der Gedenkstätte segnete der Papst ein Kreuz. „Löschen wir nicht in unserem Gedächtnis die Spuren der alten Verbrechen aus ... sage uns: In welche Richtung soll sich Europa nach Auschwitz, nach Mauthausen entwickeln?“, fragte der Papst. An der Gedenkfeier in Mauthausen nahmen rund 2.000 geladene Gäste teil, darunter elf ehemalige Häftlinge. In Enns-Lorch feierten rund 80.000 Menschen mit dem Papst den Gottesdienst.
Der Papst in Österreich
Im Blick
Von den 104 Auslandsreisen des Papstes führten ihn drei nach Österreich, in ein Land, dem er besonders verbunden war. Sein Vater war Unteroffizier in der kaiserlichen Armee; mit Kardinal König war er seit dem Konzil in Kontakt. Und der Wiener Erzbischof, der die Kirchen im Osten bestens kannte, hat auch entscheidend an seiner Wahl zum Papst mitgewirkt.
1983 besuchte Johannes Paul II. vom 10. bis 13. September erstmals als Papst Österreich. Er war Gast des bislang letzten Katholikentages und kam in eine Kirche, die von engagierten Laien, anerkannten Bischöfen und einem starken Miteinander geprägt war. „Hoffnung leben – Hoffnung geben“ war das Motto dieser Tage – und der Papst war ein begeisternder Motivator, der weit über die Kirche hinaus Resonanz fand.
1988 bereiste der Papst vom 23. bis 27. Juni vor allem die Diözesen: eine Pilgerreise zu den Menschen. Besonders stark kam das in Lorch und Innsbruck zum Ausdruck. Menschen aus der Arbeitswelt sowie Kinder berichteten dem Papst von ihrem Leben, von ihren Hoffnungen und Sorgen. In der evangelischen Christuskirche sprachen „Brüder“ miteinander. „Ja zum Glauben – Ja zum Leben“ stand über dieser Visite – und der Papst erwies sich als ein eindringlicher Verkündiger der Würde des Menschen, auch im Blick auf den Osten Europas.
1998 war der dritte Besuch (19. bis 21. Juni) überschattet von den massiven Kirchenturbulenzen, die nicht zuletzt durch höchst umstrittene Bischofsernennungen ausgelöst worden waren. Der Papst rief zwar eindringlich zum Dialog auf, ließ aber auch viele Ent-täuschte zurück.
Zum Thema
Er ernannte Bischof Aichern
Für Oberösterreich hat Papst Johannes Paul II. wichtige Entscheidungen getroffen. Die wichtigste war die Ernennung des damaligen Abtes von St. Lambrecht, Maximilian Aichern, zum 12. Bischof von Linz im Dezember 1981. Am 17. Jänner 1982 wurde Aichern zum Bischof geweiht. 1987 war Bischof Aichern Vertreter der österreichischen Bischöfe bei der Weltbischofssynode über die Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt. Im Vorfeld dieser Synode sprach der Papst Marcel Callo, der in Mauthausen ums Leben kam, selig.
Er holte Wagner nach Rom
1981 hat der Papst den damaligen Linzer Weihbischof Dr. Alois Wagner in den Vatikan berufen. Dieser sollte sich für die Entwicklungsförderung in der Weltkirche einsetzen und er wurde zum Ständigen Vertreter des Vatikans bei den Organisationen der Vereinten Nationen in Rom. Wagner wurde so zur Anlaufstelle für oberösterreichische Anliegen im Vatikan. Nach Vollendung seines 75. Geburtstages kehrte Wagner 1999 nach Linz zurück. Im Jahr 2002 starb er.
Oberösterreicher als Papst-Berater
Mit dem aus St. Roman gebürtigen P. Johannes Schasching SJ hatte der Papst in sozialen Fragen einen Oberösterreicher als kompetenten Berater zur Seite. Der seit 1967 an der Gregoriana in Rom lehrende Sozialwissenschafter hatte großen Einfluss auf die Formulierung der beiden Sozialenzykliken „Laborem exercens“ und „Sollicitudo rei Socialis“. Er war auch wichtiger Überbringer der sozialen Impulse des Papstes nach Österreich, etwa als Mitbetreiber des Sozialwortes der österreichischen Bischöfe.