Rom erwartet Ansturm zum Papst-Begräbnis am 8. April
Ausgabe: 2005/14, Johannes Paul II., Papstlose Kirche, Römischer Terminplan, Millionen nehmen Abschied, Rom, Petersplatz, Papst-Begräbnis
06.04.2005
- Walter Achleitner
Im Vatikan treffen sich täglich die Kardinäle, um die nächsten Schritte nach dem Tod des Papstes zu regeln.
In unmittelbarer Nähe von Michelangelos „Jüngstem Gericht“ haben am Montagmorgen die Angestellten des Vatikans von Johannes Paul II. Abschied genommen. Postbeamte, Pförtner, Chauffeure und Museumswächter samt ihren Familien stellten sich in langen Schlangen an, um ihrem „Arbeitgeber“ in der Sala Clementina die letzte Ehre zu erweisen. Dort war seit Sonntag Mittag der Leichnam Karol Wojtylas aufgebahrt: in weißer Albe und rotem Messgewand gekleidet, den Bischofsstab in den Arm gelegt. Drei goldene Kissen lagen unter dem Kopf des Papstes, der abgemagert schien, aber einen ruhigen Ausdruck im Gesicht hatte. Bereits in den frühen Morgenstunden waren auf dem Petersplatz mäanderförmige Zugangswege aus Absperrungsgittern errichtet worden, um den erwarteten Ansturm zu kanalisieren. Denn Rom bereitet sich auf einen nie dagewesenen Pilgeransturm vor. Mehrere Millionen Menschen könnten in die Ewige Stadt kommen, meinte Guido Bertolaso. Der Chef der italienischen Zivilschutzbehörde wurde vom Ministerrat zum Sonderbeauftragten für Maßnahmen nach dem Tod des Papstes ernannt. Alleine für das Papstbegräbnis am 8. April rechnen die Behörden mit zwei Millionen Pilgern. Bereits seit vergangenen Sonntag ist die große Zufahrtsstraße zum Vatikan, die Via della Conciliazione, eine Fußgängerzone. Auch mehr als 200 Staats- und Regierungschefs werden erwartet. Österreich wird von Bundespräsident Heinz Fischer vertreten, aber auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel kommt in den Petersdom. Neben US-Präsident George Bush, dem russische Präsident Wladimir Putin kommt auch der britische Thronfolger Prinz Charles. Seine ebenfalls für Freitag geplante Hochzeit für wurde verschoben.
Auf dem Petersplatz selber gibt es bereits eine Unmenge „Letzter Grüße“, die Pilger an Säulen kleben oder vor Brunnen platzieren. Diese neue Gedenkkultur, nach dem Tode von Lady Diana weltweit bekannt geworden, gibt es auch für einen toten Papst. Handgeschriebene Zettel, Zeichnungen, Fotos des Papstes, Blumensträuße und zahllose Kerzen stehen oder liegen an verschiedenen Punkten des Platzes. Von zwei Burschen, zwölf und neun Jahre alt, stammen die Worte: „Du hast dein Leben dem Frieden der Welt gewidmet. Ich bete dafür, dass dein Traum sich realisiert.“
Stichwort: Papstlose Kirche
Generalkongregation heißt das tägliche Treffen des Kardinalskollegiums, es zählt derzeit 183 Mitglieder, in der papstlosen Zeit (Sedisvakanz). Dessen Vorsitz führt Kardinaldekan Joseph Ratzinger. Die Kardinäle schwören, mit der Hand auf dem Evangelienbuch, alle Vorschriften zu beachten und alles streng geheim zu halten. Während der Sedisvakanz kommen ihr bestimmte Leitungsfunktionen zu, wie die Durchführung der neuntägigen Trauerfeierlichkeiten, die Vorbereitung der Beisetzung oder die Einberufung des Konklaves. Aufschiebbare Angelegenheiten, insbesondere Entscheidungen, die allein dem Papst vorbehalten sind, dürfen nicht erledigt werden. Wichtige Abstimmungen sind geheim durchzuführen. Sonderkongregation wird das „Leitungsteam“ innerhalb der Generalkongregation genannt. Es besteht aus dem Camerlengo, Kardinal Eduardo Martinez Somalo, der in der papstlosen Zeit die Aufgaben der normalen Verwaltung des Vatikanstaates übernimmt, und drei Kardinal-Assistenten. Sie vertreten je einen der drei Kardinalsränge und werden durch Los für jeweils drei Tage bestimmt.
Römischer Terminplan
3. 4. Um 9.30 Uhr hat der Camerlengo, Kardinal Eduardo Martinez Somalo, offiziell den Tod des Papstes festgestellt. Danach wurde der Leichnam in der „Sala Clementina“ des Apostolischen Palastes aufgebahrt, wo Mitarbeiter der Kurie, Italiens Staatsführung und das Diplomatische Corps der sterblichen Hülle Johannes Pauls II. die letzte Ehre erweisen konnten. Bereits um 10.30 Uhr wurde der erste Gottesdienst der neuntägigen Trauerzeit auf dem Petersplatz gefeiert. 4. 4. 65 Kardinäle sind um 10 Uhr in der Sala Bologna des Apostolischen Palastes zur ersten Generalkongregation zusammengetroffen. Sie legte den Termin für die Beisetzung fest. Ebenso wurden der Fischerring sowie das Bleisiegel des verstorbenen Papstes vernichtet. Am Nachmittag wurde der in Pontifikalgewänder gekleidete Leichnam von Johannes Paul II. auf einer offenen Bahre in den Petersdom getragen und dort aufgebahrt. Dieser bleibt bis zur Beisetzung für die Gläubigen Tag und Nacht geöffnet. 8. 4. Kardinaldekan Joseph Ratzinger leitet die Begräbnisfeierlichkeiten auf dem Petersplatz, die um 10 Uhr beginnen. Die künftige Grabstelle befindet sich in der Krypta des Petersdomes, an jener Stelle, an der Papst Johannes XXIII. bis zu seiner Seligsprechung im Jahr 2000 begraben war. 17. bis 22. 4. Frühester (15. Tag nach dem Tod des Papstes) und spätester (20.Tag) Termin, an dem die wahlberechtigten Kardinäle zur Wahl des Papstes in der Sixtinischen Kapelle zusammenkommen müssen. Karol Wojtyla war 1978 am 18. Tag nach dem Tod seines Vorgängers gewählt worden. Zur organisatorischen Vorbereitung für das Konklave gehört auch die Unterbringung im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Den 117 Papstwählern werden ihre Zimmer per Los zugeteilt.