Ausgabe: 2005/14, Camerlengo, Die Schlüssel-Position, Kopf der Woche
06.04.2005
- Walter Achleitner
Mit dem Tod Karol Wojtylas bis zur Wahl seines Nachfolgers übernimmt der Camerlengo in der Kirche zentrale Aufgaben: Kardinal Eduardo Martinez Somalo aus Spanien.
Es waren 12 Stunden nach dem „Moment des Schreckens“, wie das Ableben des Papstes genannt wird, als Eduardo Martinez Somalo den Tod des Papstes offiziell feststellte. In dieser „Sedisvakanz“, wenn der Stuhl des Apostels Petrus leer ist, hat der am 5. April 1993 ernannte Kämmerer die bedeutendste Rolle: nun leitet Martinez, unterstützt von drei Kardinal-Assistenten, die Verwaltung der römisch-katholischen Kirche. Es war seine Pflicht, nach der Beglaubigung des Totenscheines den „Fischerring“ an sich zu nehmen und das päpstliche Siegel zu zerstören. Doch ebenso bedeutend wie der Schutz dieser Symbole päpstlicher Macht ist die ihm zustehende Entscheidung, welche Fotos des Toten veröffentlicht werden. Nun fallen die Beisetzung des verstorbenen Papstes und der korrekte Ablauf des Konklaves, das den Nachfolger wählt, in seinen Verantwortungsbereich.
Dabei gilt es als unwahrscheinlich, dass der 78-Jährige selbst als Papst aus der Sixtinischen Kapelle kommen könnte. Der ehemalige Präfekt der Ordenskongregation gilt gesundheitlich angeschlagen. Und bei den acht Konklaven zwischen 1903 und 1978 wurde ein Camerlengo nur einmal gewählt: 1939, Kardinal-Staatssekretär Eugenio Pacelli. Martinez’ jahrzehntelange Kurienerfahrung, besonders seine Kontakte ins spanischsprachige Lateinamerika, machen den als konservativ Geltenden jedoch zu einem der besonders Einflussreichen unter den 117 Wahlmännern.