Ausgabe: 2005/14, Seelsorger für die ganze Welt, Stimmen, Aichern, Kothgasser, Küberl, Schönborn, Fischer, Sturm
06.04.2005
Am 16. Oktober 1978 wurde ich in Kremsmünster zum Abtpräses der österreichischen Benediktiner gewählt. Als wir auf der Heimfahrt nach St. Lambrecht in Spital am Pyhrn eine Pause machten, wurden wir vom Pfarrer begrüßt: „Wir haben einen Papst!“ Ich habe Papst Johannes Paul II. öfter erzählt, dass wir am selben Tag in einen besonderen kirchlichen Dienst gerufen wurden – etwa beim großen Benedikts-Jubiläum in Rom 1980.
Johannes Paul II. hat sich in tiefem Glauben und zugleich mit großer Offenheit den Menschen zugewendet und gewaltige Beiträge für Gerechtigkeit und Frieden geleistet. Er war der Seelsorger der ganzen Welt, besonders der Jugend. Den Alten und Kranken, den Armen und Ausgegrenzten war er ein Anwalt. Dem Leben in Menschenwürde galt seine Sorge.
Es war immer möglich, mit dem Papst aufrichtig über Fragen und Probleme, die Kirche betreffend, zu sprechen. Er hörte genau zu, sprach offen darüber, sodass man merkte, wie er bei seinen Entscheidungen um zeitgemäße kirchliche Positionen gerungen hat. Das Zweite Vatikanische Konzil und die Ökumene waren ihm ein Herzensanliegen.
Wichtig waren ihm soziale Anliegen. Beim Festgottesdienst zum 100-Jahr-Jubiläum der ersten Sozialenzyklika „Rerum novarum“ zu Pfingsten 1991 hat er mich und Pater Schasching eingeladen, auf dem Petersplatz mit ihm am Altar zu konzelebrieren. Die Sozialenzykliken Papst Johannes Paul II. waren kraftvolle Impulse auch für unsere Heimat.
Johannes Paul II. hat immer versucht, menschlich und geistlich vieles in Einheit zu bringen. Nicht nur bei aktiven Christen, auch bei anderen Menschen guten Wíllens hat er nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Maximilian Aichern, Bischof von Linz
Stimmen
In großer Achtung
Mit großer Achtung und Dankbarkeit denke ich an den Papst und seine Lebensleistung. Er hat sich seiner Sendung völlig hingegeben und seine Mission bis zum Letzten erfüllt. Mit Klarheit hat er seine Botschaft verkündet, ob gelegen oder ungelegen. Erzbischof Alois Kothgasser
Mensch ist der Weg
Er hat es gepredigt und gelebt: Der Weg der Kirche ist der Mensch. Mit dem ihm eigenen Feuer und der für ihn typischen Hartnäckigkeit ist er für Friede, Gerechtigkeit und Gewaltfreiheit eingetreten und hat dabei auch enorm wichtige ökumenische und interreligiöse Impulse gesetzt. Caritas-Präsident Franz Küberl
Ein Querdenker
Es wäre falsch, Johannes Paul II. in die üblichen Kategorien von „fortschrittlich“ und „konservativ“ einzuordnen. Dazu war dieser Papst zu groß. Er war ein mutiger Querdenker in vielen wichtigen Fragen, vor allem dort, wo es um den Menschen geht. Kardinal Christoph Schönborn
Bleibt unvergessen
In seinem unermüdlichen Wirken für Frieden, Gerechtigkeit, Menschenrechte und gegen Armut bleibt uns Papst Johannes Paul II. stets ein Vorbild. Unvergesslich ist auch das Engagement dieses unermüdlichen Brückenbauers für den Dialog der Religionen und seine Mahnungen gegen Rassenhass und Intoleranz. Bundespräsident Heinz Fischer
Zeuge für uns alle
Sein Eintreten für den Schutz jedes Lebens und gegen den Krieg im Irak waren Zeugnisse, durch die sich auch nichtkatholische Christen vertreten wussten. Er war ein herausragendes Beispiel für die Nachfolge Jesu Christi. Evangelischer Bischof Herwig Sturm