Ausgabe: 2005/15, Kopf der Woche, Guido Bertolaso, Sonderkommisar,
13.04.2005
- Walter Achleitner
Dass der Massenansturm auf Rom so reibungslos abgelaufen ist, gilt vor allem als ein Erfolg für Guido Bertolaso.
Überraschung war es keine, als Guido Bertolaso wenige Stunden nach dem Tod des Papstes zum „Sonderkommissar“ der italienischen Regierung ernannt wurde. Überraschend hingegen war für alle der Ansturm auf St. Peter, der mit der Todesnachricht aus dem Vatikan einsetzte. „Es war wie das Heilige Jahr 2000 – nur in 48 Stunden“, sagte Roms Bürgermeister Walter Veltroni. Dass er, ohne seine Genugtuung verstecken zu müssen, nun auch sagen kann, „Rom hat diese Herausforderung bravourös gemeistert“, verdankt er dem 55-jährigen Römer, der buchstäblich die Ewige Stadt vor dem Chaos bewahrt hat. Denn der nervenstarke Chef des italienischen Zivilschutzes koordinierte nicht nur die mehrere Kilometer lange Warteschlange derer, die ein letztes Mal den Verstorbenen sehen wollten. An sie wurden pro Tag 500.000 Liter Trinkwasser in Flaschen verteilt.
Seine Ernennung zum „Commissario“ erlaubte es Guido Bertolaso, ohne Schranken zu agieren: per SMS Infos an alle Handys in Rom zu verschicken oder am Tag der Beisetzung für 16 Stunden ein generelles Fahrverbot über die Stadt zu verhängen. Und weil auf dem Petersplatz nur 300.000 Menschen, darunter 2500 prominente Gäste, Platz fanden, wurden 27 Großleinwände in der Stadt aufgestellt. Denn zu den drei Millionen Einwohnern strömten weitere vier an den Tiber. Davon kam alleine eine Million aus Polen, was Guido Bertolaso nüchtern quittierte: „Wir sind zu einem zweiten Krakau geworden.“