Wie unverfroren die Machthaber im Sudan gegen Christen vorgehen, zeigt der jüngste Zwischenfall. Weil der Erzbischof der Hauptstadt außer Landes ist, Kardinal Gabriel Zubeir Wako ist in Rom beim Konklave, haben sie zum nächsten Schlag ausgeholt. Wakos Stellvertreter, Generalvikar Peter Ayoung, wurde verhaftet und in Handschellen aus dem Bischofshaus geführt. Er habe einen ungedeckten Scheck ausgestellt, heißt es offiziell. Hintergrund ist: die Kirche will ein Grundstück, das landwirtschaftlich genutzt wird, aber mittlerweile in einer begehrten Wohngegend liegt, nicht verkaufen. Und weil die Kirche gebannt nach Rom blickt, fällt es niemandem auf, wie während der Papstwahl Christen im Sudan vom Staat weiter eingeschüchtert werden.
Walter Achleitner
Es ist höchste Zeit
Einer meiner Bekannten lag mit riesigen Schmerzen im Spital. Als man ihm sagte, dass er auf den notwendigen Operationstermin noch Wochen warten müsste, war er echt verzweifelt. Gott sei Dank fand er mit Hilfe seiner Frau und eines engagierten Arztes noch ein öffentliches Krankenhaus, das ihn innerhalb von drei Tagen operierte. Und es war höchste Zeit für den Eingriff. Höchste Zeit ist es auch für die armen Länder der Welt. Wöchentlich sterben 200.000 Kinder unter fünf Jahren an Hunger und vermeidbaren Krankheiten. Doch die wohlsituierten Länder lassen sich mit der Hilfe Zeit. Obwohl genügend gute Therapiepläne auf dem Tisch liegen, konnten sie sich vergangene Woche beim Weltbank- und Währungsfondsgipfel wieder nicht auf einen Schuldenerlass und eine verstärkte Entwicklungshilfe einigen. Es geht ja nur um das Elend und Leid anderer.