Ausgabe: 2005/18, Mit Maria glauben, Maria, Magd, Marienfrömmigkeit
06.05.2005
- Matthäus Fellinger
Geben Sie in der Kirchenzeitung dem „Mariensegen“ den Vorrang, forderte ein Kirchenzeitungsleser. Alle, bis zum Papst, müssten sich dem Urteil Marias unterziehen. Was fromm scheint, muss es nicht sein. Manch vermeintliche Marienfrömmigkeit geht mit Erscheinungen einher, die das Bild Marias verzerren. Die Magd des Herrn wird zur Herrin des Glaubens, die Angst um sich verbreitet. An die Stelle der Geheimnisse des Rosenkranzes, die Jesus dem Menschen näher bringen wollen, greift eine Art Geheimnistuerei um sich, die vom Kern des Glaubens eher wegführt.
Maria steht an der Seite des Menschen. Dass Gott Maria angenommen und aufgenommen hat, wird so zur Quelle der Hoffnung. Wie Gott an Maria gehandelt hat, so wird er an allen handeln, die an ihn glauben. Maria als Magd zu begreifen entwürdigt Maria nicht. Es bedeutet in der Folge, auch sein eigenes Leben unter dem Aspekt der Magd – des Dienens – zu verstehen. So hat es ja Christus selbst gezeigt, der den Jüngern die Füße wusch – also diente, statt sich bedienen zu lassen.
Helfen, da sein, wenn jemand gebraucht wird. Das ist ein Lebensprogramm, das dem Zeitgeist entgegensteht, der da lautet: Hole dir, was dir zusteht, schau auf deinen Vorteil. Nicht an Maria, sondern mit Maria glauben ist der Kern der Marienfrömmigkeit. Der Weg führt zu Jesus – und dieser ist mitten unter den Menschen zu finden.