Ausgabe: 2005/19, Der Kompromiss, Mauthausen 2005, Schule, Völkermord,
11.05.2005
Der Kompromiss
Vergangene Woche einigten sich ÖVP, SPÖ und BZÖ auf eine Kompromissformel, durch die Eckpunkte der Schule in der Verfassung verankert werden sollen. Erfreulich dabei ist, dass die Schulgeldfreiheit, das öffentliche Schulsystem, die grundsätzlichen Erziehungsziele sowie der Religionsunterricht und das konfessionelle Schulwesen unumstritten waren. Erfreulich ist auch, dass viele Schulgesetze – von der Sprachförderung bis zu ganztägigen Schulformen – nun rascher als bisher beschlossen werden können. Weniger erfreulich ist der Streit um die Interpretation der „angemessenen Differenzierung“ in der Sekundarstufe. Es ist ein müßiger Streit: Denn ob getrennt in Hauptschule und Gymnasium oder gemeinsam in einer Schule aller 10- bis 14-Jährigen – das Entscheidende ist, dass jedes Kind optimal gefördert wird. Davon sind wir noch weit weg.
Hans Baumgartner
Mauthausen 2005
„Mauthausen, dieses Stück Hölle auf Erden“: kurz und eindringlich hat Kardinal Schönborn das Leben – sofern es als solches überhaupt bezeichnet werden kann – im Konzentrationslager beschrieben. Jedoch der Blick auf die Geschichte, so wichtig er ist, muss auch die Sicht auf die Mauthausens des Jahres 2005 öffnen, die heute ein Stück Hölle auf Erden sind. Die Befreiungsfeierer scheinen kaum aus dem gelernt zu haben, was sich vor 60 Jahren in Europa abgespielt hat. Denn obwohl niemand sagen kann, nichts vom Völkermord im Sudan gewusst zu haben, wird seit zwei Jahren tatenlos zugesehen. Wie sonst könnten im hochgerüsteten 21. Jahrhundert ausgerechnet Reitermilizen auf Kamelen derart grausam einen Völkermord verüben?