Pfarrhaushälterin Hedwig Moser (Mitte) mit Dechant Berthold Müller und Pfarrsekretärin Brigitte Klammer (links).
„Für die Menschen da zu sein, das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, erzählt Hedwig Moser. In ihrem Beruf als Pfarrhaushälterin findet sie diese Erfüllung.
Mit Jahresbeginn hat sie ihr silberenes Jubiläum gefeiert: Seit 25 Jahren ist die Greinerin Hedwig Moser Pfarrhaushälterin in ihrer Heimatgemeinde. Die heute 51-Jährige arbeitete zunächst in der Landwirtschaft ihrer Eltern und wurde dann Familienhelferin. Ihr Beruf führte sie kreuz und quer durch Oberösterreich, bis sie schließlich wieder in Grein sesshaft wurde, wo sie ihre Vorstellung von einem ausgefüllten und erfüllten Leben verwirklichen kann: „Ich gehöre zu den Menschen. Es ist schön das Vertrauen vieler zu erfahren.“ Und das Vertrauen des Pfarrers zu haben, der sich sein Leben und seine Arbeit ohne Pfarrhaushälterin nicht vorstellen könnte.
„In meiner derzeitigen pastoralen Situation mit zwei Pfarren, als Dechant und bis vor kurzem als Regionaldechant könnte ich noch weniger als früher alleine sein“, erklärt Dechant Berthold Müller: „Der finanzielle Aufwand einer Anstellung ist keine Kleinigkeit“, gibt er unumwunden zu, aber die Pfarrhaushälterin macht allein durch ihre Anwesenheit im Pfarrhof eine wichtige Arbeit: „Häufig ist sie erste Ansprechpartnerin.“ Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Viele empfinden das ganz angenehm, dass sie nicht sofort zum Pfarrer kommen.“
Als Moser überlegte, ob sie sich um die Haushälterinnenstelle in Grein bewerben sollte, hatte sie Angst zu wenig Arbeit zu haben: Für nur eine Person zu kochen, zu putzen und zu waschen würde sie nicht auslasten, befürchtete sie. Die Sorge war unbegründet.
Die Vielfalt der Aufgaben
Bald merkte Moser, dass sie als Pfarrhaushälterin mehr ist als die Hausangestellte des Pfarrers und dass sie großen Freiraum in der Gestaltung ihres Arbeitsfeldes hatte. Sie engagierte sich im Pfarrgemeinderat, als Kantorin und der Kontakt mit den Leuten nahm – zu ihrer Freude – immer mehr Raum ein: „Ich bemühe mich meinen Beitrag zu einem guten Klima der Gemeinschaft in der Pfarre zu leisten.“
Das schätzt auch Dechant Müller: „Wenn wir in der Kirche die Gemeinschaft als Grundprinzip der Erlösung lehren, dann kann nicht ausgerechnet der, der das predigt, alleine leben.“ Er bringt sein Credo auf die Formel: „Einer alleine kann heutzutage nicht mehr gut sein.“ Die Pfarrhaushälterin, die Sekretärin und ihre Familie gehören für ihn zum Kernteam der Pfarre und zu seiner persönlichen Gemeinschaft, die er nicht missen möchte: „Natürlich muss ich mich einschränken und kritisieren lassen, aber auf der anderen Seite bekomme ich viel an Bestätigung und Zuwendung. Es fordert heraus auf den anderen einzugehen, nicht nur beruflich, sondern auch im Alltag.“
Den Leuten von Grein war es kein Problem, dass eine junge Pfarrhaushälterin in den Pfarrhof eingezogen ist. Dechant Müller: „Das Haus steht offen und das ist unser Kriterium der Glaubwürdigkeit.“
Zusätzlich zur Arbeits- und Wohngemeinschaft prägt das Leben das gemeinsame Gebet. Dechant und Haushälterin haben im Pfarrhof eine kleine Kapelle eingerichtet, wo sie täglich miteinander die Vesper beten.
Obwohl das Kochen längst nicht Hauptaufgabe von Hedwig Moser ist, gehört es doch dazu. Und sie trägt das Ihre bei, dass der Ruf der Pfarrhaushälterinnen als exzellente Köchinnen sich weiter verfestigt.