Die Verteilungsgerechtigkeit muss uns auf der Seele brennen. Dieses Anliegen, von Bischof Maximilian Aichern bei seiner Rücktritts-Pressekonferenz genannt, treibt auch Heinz Mittermayr an.
Der in Gallneukirchen aufgewachsene und dort mit seiner Familie lebende Theologe Mag. Heinz Mittermayr arbeitet in der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung der Diözese, in der er sich um Vernetzung und Kooperation annimmt. Weit über diesen beruflichen Auftrag hinaus engagiert er sich seit drei Jahren bei ATTAC, einem Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte.
Vernetzung
Seit März 2005 gehört Mittermayr dem ehrenamtlich tätigen Vorstand von ATTAC Österreich an. Hier bringt er ein, was er in der „Schule“ Armutsnetzwerk Oberösterreich gelernt hat: Die Vernetzung verschiedener Personen und Gruppen, um Kräfte zu bündeln und ein öffentliches Engagement, um Bewusstsein zu bilden. ATTAC mobilisiert gegen die Dominanz des Wirtschaftlichen, die zu Lasten menschengerechter Strukturen geht. Wirtschaft muss dem Menschen dienen, ist ja auch eine Dauerpredigt der Katholischen Soziallehre.Österreich wird jedes Jahr um zwei Prozent reicher. Wir könnten uns daher immer mehr Sozialstaat leisten, sagen die ATTAC-Leute und viele andere. Aber es wird überall gekürzt, gespart und zugesperrt. Warum? ATTAC sieht die Ursachen im globalen Steuerwettlauf und in der Steuer-Ungerechtigkeit: Arbeit wird viel höher besteuert als Vermögen und Gewinn. Dem Staat fehlt damit Geld, während die Besitzeinkommen in den vergangenen dreißig Jahren um das Fünfzigfache gestiegen sind.
Veränderung ist möglich
Armut, so Heinz Mittermayr, ist ein Skandal, weil sie mit Rahmenbedingungen zusammenhängt, die veränderbar wären: Verteilung, Besteuerung, Wirtschaftsstrukturen. Erst im Februar 2005 hat das Sozialministerium den jüngsten Sozialbericht veröffentlicht, der u. a. feststellt, dass die Reichen auch hierzulande immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Mittermayr wühlt das auf: „Wenn ich das höre, und es gibt keinen Aufschrei, dann ist das genau das, worauf die eingangs zitierte Bischofsaussage abzielt: Die Verteilungsgerechtigkeit muss uns auf der Seele brennen!“ Mittermayr tut sich teilweise auch mit kirchlichen Haltungen schwer: „Ich sehe schon, wie wichtig das caritative Engagement ist. Aber es happert daran, die Ungerechtigkeiten und wodurch diese entstehen beim Namen zu nennen. Davor scheut man sich auch in der Kirche.“ Sie müsste die Botschaft der Befreiung verkünden, sagt Mittermayr.
Zusammenhänge verstehen
Mit ATTAC bemüht er sich um eine „ökonomische Alphabetisierung“. Das Netzwerk hat in Oberösterreich schon neun Regionalgruppen – Braunau, Freistadt, Gmunden, Kirchdorf, Linz, Ried/I, Steyr, Unteres Mühlviertel und Wels. ATTAC führt derzeit die Kampagne „Fair steuern – der Sozialstaat ist finanzierbar“. Den Kommunen, insbesondere den Gemeinden fehlt Geld für Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Postämter, soziale Sicherheit ..., das bei gerechterer Besteuerung vorhanden wäre. Hier den Steuerwettlauf zu stoppen, der große Konzerngewinne minimal besteuert, ist auch eine EU-Aufgabe.
„Im Prnzip glaube ich nicht, dass die Reichen wirklich glück–licher sind. Es müsste ihnen klar werden, dass es auch ihnen besser geht, wenn es den Menschen um sie herum ebenfalls gut geht.“ Jede und jeder hat eine eigene Verantwortung. „Ich kann nicht sagen: ich genieße alle Vorteile des Systems, und gleichzeitig alles außerhalb meiner Verantwortung sehen.“ Etwa, wenn hinter hohen Aktiengewinnen tausende Kündigungen stehen. Oder wenn Billigstprodukte mit Kinderarbeit hergestellt wurden....