Eine stärker sozial engagierte EU, das hat Josef Riegler vergangene Woche in der Kirchenzeitung gefordert. Der Ex-Vizekanzler nahm dabei die ärmsten Länder der Welt in den Blick. Dass in derselben Woche sich die mächtigsten Industrienationen (G 8) auf einen Schuldenerlass geeinigt haben, ist eine gute Nachricht. Es gilt abzuwarten, was vom Plan der Finanzminister nach der Beschlussfassung Anfang Juli übrig bleiben wird. Ob der Nachlass von 33 Milliarden Dollar tatsächlich auf 40 Jahre ausgedehnt wird. Dann wären es nur Erdnüsse, die als Erfolg verkauft werden. Würden hingegen die Superreichen (mehr als eine Million Dollar) ein Prozent ihres Vermögens – das um rund 6,5% im Jahr steigt – abliefern, dann stünden 330 Milliarden jedes Jahr bereit.
Walter Achleitner
Kur gegen Jammer
Die Zahl derer, die eine Kirche regelmäßig von innen sehen, nimmt ständig ab. Und jene, die in der Kirche einen verstaubten Verein sehen, nimmt zu. In der Kirche löst das nicht selten ein Gejammere aus oder einen nostalgischen Blick zurück. Helfen tut beides nicht. Und so düster, wie viele tun, ist es auch nicht in und um unsere Kirchen bestellt. Das einmal konzentriert in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken, ist das Verdienst der „langen Nacht der Kirchen“ in Wien. Da konnten viele Menschen, die einfach nur einmal schauen wollten, erleben, wie viel Lebendigkeit es in den Kirchen gibt, wie viel Platz für Kinder und Jugendliche, was heute gar nicht selbstverständlich ist, wie viel Kultur, die mehr als ein oberflächlicher Kitzel ist, wie viele Räume der Begegnung und der Besinnung. Es ist nicht „alles in Butter“ – aber mehr lange Nächte statt Jammern täten allen gut.