Die vergangenen Tage erfüllten Michael Kuhn mit Sorge. Dem Kirchenmann in Brüssel gefiel gar nicht, wie die Staats- und Regierungschefs mit der Krise der EU umgingen.
Seit 1997 ist Michael Kuhn (47) Referent der Österreichischen Bischofskonferenz bei der EU in Brüssel. Seit zwei Jahren ist sein Büro in die Stabsstelle der ComECE (Kommission der Bischofskonferenzen der EU-Länder) eingebunden. Bezüglich des Einflusses der Kirchen auf die EU-Politik zieht Kuhn eine gemischte Bilanz. „Beim Gottesbezug in der Verfassung sind wir gescheitert, auch weil die Bischofskonferenzen hier keine einheitliche Position vertraten. Bei der Verankerung des Dialogs zwischen EU und Kirchen im Verfassungsentwurf oder bei den jüngsten Beschlüssen zur Aufstockung der Entwicklungshilfe konnten wir Einiges bewegen.“
Kuhn sieht seine Arbeit aber nicht als Einbahnstraße. „Mir ist auch wichtig, den Österreicher/innen deutlich zu machen, wie bedeutsam die Einigung Europas ist und wie sehr das jeden Einzelnen betrifft.“ Deshalb organisiert er EU-Seminare und hält regelmäßig Vorträge in Pfarren und Dekanaten. „Wenn schon die Politiker das nicht tun, dann sollten wir als Kirchen das verstärkt aufgreifen“.
1983 ging der Wiener Theologiestudent Kuhn mit seiner Frau, die Holländerin ist, nach Amsterdam. Er studierte dort Theologie und Kommunikationswissenschaften und arbeitete als Uni-Assistent. 1993 wurde er Pastoralassistent an der deutschsprachigen Gemeinde von Brüssel. Seit seiner Weihe zum Diakon (2003) ist er wieder – nun ehrenamtlich – pastoral tätig und betreut sehr gerne österreichische und deutschsprachige EU-Beamte.