Kein Weltpriester wird in diesem Jahr in der Diözese Linz geweiht. Der 29. Juni als traditioneller Weihetag am Peter- und Pauls-Fest wird somit zu einem Nachdenktag. Neun Priester sind in der Diözese Linz seit Sommer 2004 gestorben. Das ist die Hälfte gegenüber dem Vorjahr, doch ändert das wenig an der Prognose: Das Gesicht der Kirche wird sich massiv verändern. Die Priesterfrage ist zu einer Kernfrage der Kirche geworden.
Der Priester hat eine Schlüsselaufgabe zwischen dem Alltag der Menschen und dem „Sonntag“, zwischen dem Alltagsleben hier auf der Welt mit all den Beschäftigungen, Schönheiten und Notwendigkeiten und dem Ziel und Sinn des Lebens auf der anderen Seite. Ein Amt zwischen Welt und Himmel, könnte man sagen. Der Priestermangel bewirkt, dass Priester zunehmend weniger im Alltagsleben der Menschen präsent sein können – von den Mitarbeitern vielleicht noch, aber wenig mit den Menschen sonst noch. Wie viele Jugendliche erleben noch einen Kaplan? Priester werden vor allem an ihrer zweiten Seite erlebt: in ihren liturgischen Funktionen, am Sonntag. Und da kommt immer mehr auf sie zu.
Wenn in Pfarren um Priesterberufe gebetet wird, dann geht es neben dem Gebet auch um die Bereitschaft, alles zu tun, damit Priester ihre Berufung auch tatsächlich leben können – im Alltäglichen wie an den Feiertagen. Es ist nicht nur eine Entscheidung, die man anderen zumutet. Das Beten ist erfüllt, wenn es auch mit einer eigenen Entscheidung verbunden ist.