Ausgabe: 2005/27, Die Mutmacherin, Kopf der Woche, Richter Ulrike, Menschenhandel
07.07.2005
- Walter Achleitner
Ulrike Richter hilft Frauen, ihre Interessen umzusetzen: um nach den Gewalterfahrungen des Menschenhandels wieder Fuß zu fassen im Alltagsleben.
„Wenn ich Frauen helfen kann, dass sie neu ins Leben starten“, dann ist es für Ulrike Richter ein Erfolg. Doch für Opfer von Menschenhandel sei es nicht leicht, im Alltag wieder Fuß zu fassen, meint die Mitarbeiterin von KOBRAnet in Leipzig. Zu ungewiss seien die Zukunftsvorstellungen jener, die meist im Zuge einer Razzia aus der modernen Sklaverei in Bordellen befreit werden. Und obwohl es für die meisten äußerst gefährlich sei, mit der Polizei zu kooperieren, tun es dennoch viele. „Sie wollen, dass durch die Täter, die ihnen so viel Gewalt angetan haben, nicht noch mehr leiden müssen.“ Doch der Weg bis zur möglichen Verurteilung Beteiligter am Menschenhandel ist für die einstigen Opfer hart, langwierig und nervenaufreibend. Dabei „die Interessen der Frauen zu vertreten“, ist Aufgabe der Sozialarbeiterin. „Alle kommen rasch drauf, dass ich kein verlängerter Arm der Polizei bin.“
Den Frauen tritt Ulrike Richter sonst nicht so gegenüber, wie diese Woche bei der Tagung „Die Ware Mensch“ von Missio Austria: als katholische Ordensfrau. „Die Frauen kommen zwar rasch drauf, aber von mir aus sage ich es nicht“, meint sie – seit 1995 Mitglied der Missionarinnen Christi. „Denn das führt leicht zu Missverständnissen: Viele verbinden damit klassische Moralvorstellungen. Und die Opfer des Menschenhandels würden sich womöglich noch schuldig fühlen, mir als Prostituierte gegenüberzusitzen.“