Ausgabe: 2005/27, Kommentar, Alle drei Sekunden, Live Aid, Auf der Strecke, Arbeitsmarkt,
07.07.2005
Alle drei Sekunden
Wer hätte sich noch vor wenigen Wochen das gedacht: Mehr als hundert der namhaftesten Popmusiker geben Afrika ihre Stimme. Gleichzeitig ziehen sie mit der Forderung nach Gerechtigkeit ein Millionenpublikum in ihren Bann. Ob „Live 8“, das bislang größte Popkonzert vom vergangenen Samstag, die Lebenschancen der Menschen in den ärmsten Ländern gesteigert hat, wird die Zukunft zeigen. Gerade in dieser Woche, wenn sich die acht Staatschefs der reichsten Länder treffen und das Schuldenstreichen für die Ärmsten auf der Tagesordnung steht. Wenn sie wieder einmal keinen wesentlichen Beitrag leisten werden, dass Armut zur Geschichte wird: Musiker und Fans haben es geschafft, der Armut einen Klang zu geben. Das zeitgleiche Schnippen mit dem Finger im Drei-Sekunden-Takt hat Millionen die Augen dafür geöffnet, wie oft ein Kind der Armut zum Opfer fällt.
Walter Achleitner
Auf der Strecke
258.863 Menschen waren im Juni arbeitslos gemeldet. Dabei ist das nur die halbe Wahrheit. Denn viele Menschen, die eine Arbeit suchen (Mütter nach der Kinderpause, Uni- und Schulabsolventen, Sozialhilfebezieher etc.), sind in der Statistik gar nicht enthalten. Fachleute rechnen mit 500.000 fehlenden Arbeitsplätzen. Gleichzeitig floriert die illegale Beschäftigung auf dem Bau, in der Gastronomie oder im häuslichen Pflegebereich. Es ist den Arbeitslosen aus Deutschland am Hartz-IV-Hungertuch oder den Arbeitskräften aus Osteuropa nicht übel zu nehmen, dass sie in Österreich auch für wenig Geld arbeiten. Aber übel zu nehmen ist es der Politik, dass sie sich um den Arbeitsmarkt so wenig kümmert. Denn auf der Strecke bleiben Menschen.