Kultureller Austausch: Sechs junge Inder/innen in (Ober-)Österreich zu Gast
Ausgabe: 2005/28, Inder, TCYM, Kulturaustausch, Lawrence
14.07.2005
- Christian Ortner
Bis Ende Juli ist die Gruppe des TCYM (Tamilnadu Catholic Youth Movement) in Österreich zu Besuch. Die jungen Inder/innen bekommen so Einblick in die fremde Kultur und in die Arbeit der KJÖ.
„Die Österreicher müssten uns eigentlich dankbar sein“, sagt Aruldoss. Und mit Blick aus dem Fenster fügt er hinzu: „Wir haben den Regen gebracht.“ Woher sollte der 27-Jährige nach vier Tagen Aufenthalt in Österreich auch wissen, dass man hier das kühle Nass von oben schön langsam alles andere als segensreich empfindet?
Das Kennenlernen einer anderen Kultur hat das seit 13 Jahren bestehende Austauschprogramm zwischen dem TCYM und der Katholischen Jugend (KJÖ) zum Ziel. Es hat die sechs jungen Frauen und Männer aus verschiedenen indischen Bundesstaaten zum ersten Mal in ihrem Leben ins Ausland gebracht.
Bis Ende Juli tourt die Gruppe, betreut von Enchada-Bildungsreferentin Ute Mayrhofer, durch Österreich, um das Land, seine Menschen, seine Sprache und Eigenheiten ein wenig zu erforschen. Von Oberösterreich geht es in die Steiermark; ein Teil der Gruppe pilgert anschließend am Jakobsweg von Kufstein nach Innsbruck, während die anderen ins Burgenland fahren.
Neben dem kulturellen Erfahrungswert steht der soziale Austausch im Vordergrund. Mayrhofer: „Wir werden die Jugendarbeit in verschiedenen Pfarren erleben, Universitäten besuchen und soziale Projekte wie LENA oder Megaphon kennen lernen.“Sechs Prozent sind vielEtwas Besonderes ist es für die sechs jungen Inder/innen, in einem Land zu sein, in dem vorwiegend Katholiken leben. „In Tamil Nadu haben wir als Christen auch kaum Probleme, weil wir dort sehr viele sind“, erzählt Rev. Fr. Lawrence. Viel heißt in diesem Fall sechs bis sieben Prozent. „Die Hindus respektieren uns, weil wir die Träger des sozialen Systems sind“, erklärt Sonia George. So sind etwa die meisten Krankenhäuser und viele Schulen in Tamil Nadu christlich. George: „Obwohl wir die Minderheit sind, können wir mit der Ausbildung und unserer Sozialarbeit viele Menschen erreichen.“Eine wichtige Rolle spielte das TCYM von Beginn an in der Arbeit nach der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004. „Wir haben geholfen, Leichen zu identifizieren, vorübergehende Hilfscamps eingerichtet und betroffene Personen psychologisch betreut“, sagt Sonia. „Es herrscht immer noch Angst, aber das Leben wird langsam besser.“
Im kommenden Jahr gibt’s den Gegenbesuch von österreichischen Jugendlichen in Indien. Vielleicht nehmen die dann auch den Regen mit.