Ausgabe: 2005/29, Kommentar, Religionsfreiheit, Schöpfung, Schönborn, Christen im Irak
20.07.2005
Religionsfreiheit
Bereits kurz nach der so genannten „Befreiung“ durch die von den USA angeführte Allianz wurde im Irak darüber gewitzelt, wovon die Menschen im Irak nicht gar alles befreit wurden: von der Stromversorgung, vom Trinkwasser . . . Noch eine Befreiung könnten die Christen im Irak bald ergänzen: die von der Religionsfreiheit. Denn in einer gemeinsamen Erklärung betonen nun die Führer neun christlicher Kirchen, die Verankerung der Scharia – des islamischen Rechtes – in der Verfassung verhindern zu wollen. Darüber hinaus fordern sie die Gleichstellung aller im Zweistromland beheimateten Religionsgemeinschaften. Enttäuschend für die Christen im Irak ist jedoch auch, dass sie bei westlichen Politikern kein Ohr für ihre Sorgen – der drohenden Befreiung von der Religionsfreiheit – finden. Walter Achleitner
Emotionsgeladen
Der Gastkommentar von Kardinal Schönborn zur Evolution in der „New York Times“ hat einer in der Öffentlichkeit zuletzt kaum beachteten Frage einen neuen Impuls verliehen. Wer ist Baumeister des Lebens: Ein intelligenter Planer oder der Zufall? Überraschend sind die Reaktionen der Naturwissenschaft auf den Zwischenruf des Theologen ausgefallen: von dogmatisch bis inquisitorisch reicht die Bandbreite, in die der christliche Schöpfungsglaube schubladisiert wird. Ergänzend werden Fundamentalismuswarnungen ausgesprochen, als handle es sich bereits um einen Prediger der Talibanisierung der Wissenschaft. Ein derart emotionsgeladener und unwissenschaftlicher Diskurs bringt beiden Seiten keinen Fortschritt. Er zeigt nur, dass Theologie und Naturwissenschaften rasch ins Gespräch kommen müssen. Walter Achleitner