Ausgabe: 2005/29, Ein Stück Autobahn, Leitartikel,
20.07.2005
- Matthäus Fellinger
Linz–Sattledt. Österreichs meistbefahrenes Autobahnstück. In diesen Tagen rollt der Verkehr besonders dicht. Menschen, die Erholung suchen, fahren hier ihrem Urlaubsziel entgegen. Wochenlang haben sie sich darauf gefreut. Betonierte Leitplanken trennen den Autobahn-Mittelstreifen, die Gegenfahrbahn ist noch nicht fertig. Fertig sind hingegen die sich entlang der Autobahn hinziehenden Lärmschutzwände. Vom schönen Voralpenland ist nichts mehr zu sehen. Damit es nicht zu eintönig wird, haben die Architekten Muster in die Wände geplant. Einmal längs gestreift, dann wieder quer gestreift, einmal braun, dann wieder grün oder gelb. Schließlich soll dem Urlauber und dem Berufschauffeur, der die Strecke immer wieder befährt, Abwechslung geboten werden. Wo die Lärmschutzwände noch fehlen, blickt man auf riesige Halden von Baumaterial. Lastwägen transportieren ständig ab und liefern an.
Das Autobahn-Teilstück Linz–Sattledt verdeutlicht das Dilemma, in dem sich die Gesellschaft befindet. Weil immer mehr Leute es immer öfter schön haben wollen und sich deshalb schöne Urlaubsreisen leisten, kommt das Schöne der Landschaft abhanden. Irgendwo, ganz weit weg, soll es noch schön und naturbelassen sein. Da wollen alle hin – möglichst schnell. Das Zwischenstück – von Zuhause bis Dorthin – wird geopfert. Es zählt nicht, ist nur Autobahn, die man rasch hinter sich lässt. Doch es ist Lebensraum. Heimat für viele – und für länger als nur für den Urlaub.