Ein Mühlviertler als Entwicklungshelfer in Papua-Neuguinea
Ausgabe: 2005/30, Mühlviertel, Entwicklungshelfer, Papua-Neuguinea, Stadler, Terror
28.07.2005
- Julia Alletsgruber
Eine ganz besondere Erfahrung hat Sebastian Stadler (im Bild mit einer Schülergruppe) hinter sich: Zwei Jahre lang unterrichtete er im Auftrag von Horizont 3000 in einer Schule auf Papua- Neuguinea.
Ausschlaggebend war für den heute 30-Jährigen, dass er nicht Geld, dafür aber seine Zeit für ein Hilfsprojekt „spenden“ wollte. So hatte er zuerst ein Info-Seminar von Horizont 3000 (damals noch ÖED) besucht und sich dann kurzerhand beworben. „Das Einsatzgebiet war mir eigentlich egal“, so Stadler, und so kam er nach dreimonatiger Vorbereitungszeit in Wien nach Wewak auf Papua-Neuguinea. Der gelernte Tischler hat auch eine Ausbildung zum Krankenpfleger vorzuweisen, an seinem Einsatzort war er aber vor allem auf Grund seines ersten Berufs gefragt. Von Jänner 2002 bis März 2004 unterrichtete Sebastian Stadler nämlich an einer Fachschule Tischlerei. Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, die Werkstatt einzurichten und Material sowie Werkzeuge zu beschaffen. Allerdings stellte sich heraus, dass seine Schüler im Alter von 17 bis 24 Jahren auch dringend Mathematikunterricht benötigten. Zudem installierte Stadler einen PC-Raum, wo er dann außerdem seinen Lehrer-Kollegen EDV- und Mathematikkenntnisse vermittelte. „Es gab immer irgendetwas zu reparieren“, meint Stadler, der meist eher 60 als 40 Stunden pro Woche arbeitete.
Entwicklung gegen Terror
Leicht sei es während der zwei Jahre nicht gewesen, gibt der junge Mühlviertler zu, vor allem weil er so viel wie möglich arbeiten und „etwas zu Stande bringen“ wollte und ihm daher nicht sehr viel Freizeit blieb. Auch war es nicht einfach, Anschluss zu finden und Kontakte zu knüpfen. Dabei halfen ihm lediglich die Kirchenbesuche. Dennoch bereut Sebastian Stadler nicht, diese Erfahrung gemacht zu haben. Entwicklungshilfe an Ort und Stelle ist für ihn enorm wichtig. „Es reicht nicht, Geld zu spenden. Man muss den Leuten auch aktiv helfen und ihnen zeigen, wie sie selber etwas auf die Beine stellen können“, ist der Heimkehrer überzeugt. In dieser Hinsicht sei Entwicklungshilfe auch ein wirksames Mittel, um Terror vorzubeugen. Dazu ist es aber auch nötig, längerfristig zu helfen, da sonst die erworbenen Kenntnisse wieder verloren gehen.
Stadler kann sich durchaus vorstellen, diese Erfahrung zu wiederholen. Vorerst ist er aber ganz froh, wieder in Österreich zu sein, wo er als Krankenpfleger im AKH Linz arbeitet.