Das Projekt „stellenwert“ unterstützt Jugendliche, die keine Arbeit finden
Ausgabe: 2005/31, Projekt, Arbeit, stellenwert, Jugendliche, Arbeit, Betrieb
02.08.2005
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Knapp 10.000 Jugendliche sind derzeit in Oberösterreich arbeitslos. Ein groß angelegtes Projekt soll ab Herbst der Misere entgegenwirken.
Martin ist glücklich: Nach 32 Bewerbungsschreiben und elf Vorstellungsgesprächen hat der 15-Jährige eine Anstellung als Stuckateur gefunden. Dass er dafür von Gallneukirchen nach Linz pendeln muss und er eigentlich etwas mit Elektronik machen wollte, stört ihn kaum. Schließlich hat er, was Tausende in seinem Alter in Oberösterreich nicht haben – Arbeit.
Großer Anpassungsdruck
„Die Frage ,Was will ich?’ stellt sich nicht mehr“, analysiert Mag. Anna Wall-Strasser von der Betriebsseelsorge der Diözese Linz. „Die Jugendlichen sind einem irrsinnigen Anpassungsdruck ausgesetzt.“
Die miserable Situation der 14- bis 25-Jährigen auf dem heimischen Arbeitsmarkt aufzuzeigen und den Betroffenen die Arbeitssuche zu erleichtern – das sind die vorrangigen Ziele eines ausgefeilten Projekts, das im kommenden Herbst startet. „stellenwert – Jugend will Arbeit“ heißt die von Betriebsseelsorge, Katholischer Arbeitnehmer/innenbewegung (KAB) und Katholischer Jugend (KJOÖ) entworfene Kampagne. Sie soll eine Plattform für Jugendliche bieten, ihre Situation zu artikulieren. Auch Eltern, Lehrer/innen und Jugendarbeiter/innen sollen einbezogen werden.
„Obwohl sich die Politiker bemühen, ist keine Lösung des Problems in Sicht“, meint Wall-Strasser. Ein wichtiges Anliegen von „stellenwert“ sei daher die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Jugend und Arbeit“. Die persönliche und gesellschaftliche Brisanz von Jugendarbeitslosigkeit soll aufgezeigt werden. Dazu sind konkrete Teilprojekte wie eine „thematische“ Kletterwand, ein Kunstprojekt oder ein Mentoring angedacht, bei dem Polyschüler/innen ein Jahr lang von berufserfahrenen Erwachsenen begleitet und unterstützt werden.
Zudem planen die Initiator/ innen so genannte Arbeitsaustausch-Tage, bei denen Politiker/innen und Lehrlinge für wenige Tage ihre Arbeitsstätten tauschen. Für diese Aktion konnte etwa die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ulrike Schwarz, gewonnen werden. Ob sie den 15-jährigen Martin in seiner Firma als Stuckateurin vertreten wird, steht allerdings noch nicht fest.