Susanna Köfinger ist die erste Weltmeisterin: in Schreibmaschineschreiben für Blinde.
Resignation schwingt keinesfalls mit, wenn Susanna Köfinger erzählt. Vielmehr ist Ernüchterung aus den Worten der 39-jährigen Wienerin zu spüren, wenn sie über Reaktionen auf ihre Meisterleistung berichtet: 431 Anschläge pro Minute machten sie vor zwei Wochen bei einem 30-minütigen Diktat zur Schnellsten in Tastaturschreiben für blinde und sehbehinderte Menschen. „Man darf nicht unzufrieden sein, wie alles gelaufen ist. Wir sind froh, dass es den Bewerb überhaupt gab“, sagt die frisch gekürte Weltmeisterin. Ihrem ebenfalls blinden ehemaligen Religions- und Stenolehrer Erich Schmid und der Präsidentin des Österreichischen Stenografenverbandes, Marlise Kulb, sei es gelungen, dass erstmals 12 Blinde in einem Spezialbewerb bei der WM in Wien antreten konnten. Doch ein Mix aus Pannen und „Merkwürdigem“ bei der Siegerehrung habe Köfinger gezeigt, „dass Sehende noch immer nicht recht wissen, wie sie mit Blinden umgehen sollen.“ So waren die Blinden die Einzigen, die ihre Medaillen nicht am Siegerpodest entgegennehmen durften. Dafür gabs zusätzlich ein Stofftier: „Etwas seltsam, weil es nur für uns Blinde war“, meint Köfinger, die als 13-Jährige an einer Erbkrankheit erblindet ist. Der Pokal, ein „Ehrenpreis der Stadt Wien“, steht jetzt auf ihrem Schreibtisch im Wiener Rathaus. Doch auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl hat seiner Mitarbeiterin in der Abteilung für Finanz- und Wirtschaftspolitik zum WM-Titel noch nicht gratuliert: Dabei war Susanna Köfinger bei dieser WM der „Flinken Finger“ sogar Österreichs einzige Weltmeisterin.