Ausgabe: 2005/31, Kopf der Woche, Der Papst-Botschafter, Farhat
11.08.2005
- Walter Achleitner
Für seine neue Aufgabe als Nuntius bringt Edmond Farhat vor allem viele Erfahrungen aus islamischen Ländern mit.
Kaum überraschend kam die Ernennung eines neuen Nuntius für Österreich in der Vorwoche. Denn seit Erzbischof Georg Zur im Februar die Altersgrenze von 75 Jahren erreicht und um Rücktritt angesucht hat, war ein Wechsel in der Wiener Theresianumgasse absehbar. Überraschend hingegen ist der Akzent, den Benedikt XVI. mit seiner bereits dritten Personalentscheidung für Österreich setzt: denn Erzbischof Edmond Farhat, am 20. Mai 1933 im libanesischen Ain Kfaa geboren, war in seinen bisher 16 Jahren diplomatischen Dienstes für den Papst in Ländern eingesetzt, in denen mehrheitlich Muslime leben. Einzige Ausnahme war zwischen 1995 und 2001 Laibach. Ihm gelang es, trotz hinhaltenden Widerstands postkommunistischer Kräfte gegen jeglichen Vertrag mit dem Heiligen Stuhl, ein Grundsatzabkommen mit Slowenien zu unterzeichnen.
Sein Akkreditierungsschreiben wird der neue Nuntius im Oktober überreichen. Dann, wenn die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beginnen– jenem Land, in dem Farhat bisher tätig war. Von dem Land mit „institutionalisierter Phobie vor dem Christentum“ fordert er Reformen, weil Religionsfreiheit „nur auf dem Papier“ existiere. Überhaupt findet er Medien gegenüber deutliche Worte. Vielleicht weil Farhat selber einmal Journalist war: zuletzt leitete er die arabische Abteilung von Radio Vatikan. Der Maronit, der gut deutsch spricht, hat in Oberösterreich über Christen im Nahen Osten referiert. Bischof Aichern schätzt die Zusammenarbeit mit dem neuen Nuntius, den er erstmals bei der Laien-Synode 1987 „sehr kompetent“ erlebt hat.