Neulich in der Kantine: Ein Mann steht am Buffet, nimmt sich ein Jausenweckerl und geht damit zur Kassa. Die Kassierin lächelt freundlich, schaut auf die Preisliste und sagt: „75 Cent bitte.“ Der Mann runzelt die Stirn, schaut ungläubig und ruft schließlich lauthals aus: „Das ist ja eine Okkasion!“ (von lat. occasio, -onis, „Gelegenheit“).In einer Zeit, in der alles teurer wird (etwa: Miete, Butter, Benzin und jetzt auch noch die Handyrechnung ...) ist der Mann also im Begriff, einen wahren Gelegenheitskauf abzuschließen. Der Vormittag scheint gerettet. Was wird die Kassierin sagen? Vieles scheint möglich. Zum Beispiel „Schön, dass Sie das so sehen!“, oder „Ja, wir freuen uns über zufriedene Kunden!“ Denkbar, aber unwahrscheinlich: „Das Weckerl ist schon von gestern.“Der Mann gibt der Kassierin das Geld und schaut ihr Zustimmung heischend in die Augen. Diese funkeln beunruhigend. Und dann die Reaktion: „Ist Ihnen das etwa auch noch zu teuer?!“ Wortlos nimmt der Mann sein Weckerl und verlässt hängenden Kopfes die Kantine. Hätte er nur nicht dieses Fremdwort verwendet. Aber wer sagt schon „Gelegenheitskauf“?Das Weckerl schmeckt jetzt tatsächlich so, als wäre es von gestern.