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Mit dem Sinn für das Mögliche

Ausgabe: 2011/06, Marianhiller, Winter, Riedegg, Bucher, Ordensgemeinschaft, Orden
09.02.2011
- Matthäus Fellinger


Florian Winter ist 25 – und somit das jüngste Mitglied der Kongregation der Missionare von Mariannhill in Europa. Im Gespräch mit der KirchenZeitung erzählt er von seinem Weg in die Ordensgemeinschaft der Mariannhiller in Riedegg.

Nicht einmal die Adresse kannte Florian Winter. Also recherchierte er im Internet. Mariannhiller in Österreich, Schloss Riedegg – und schrieb einen Brief an P. Markus Bucher, den Provinzial der Ordensgemeinschaft von Schloss Riedegg. Kurz darauf kam eine Einladung zu einem Gespräch. Ein erstes Kennenlernen, ein Abtasten. Florian spürte eine gewisse Skepsis beim Provinzial. Dass ein junger Mann sich für den Orden interessiert, ist alles andere als alltäglich. Florian war damals 23 – und die beiden Nächstälteren der Gemeinschaft hatten den Sechziger unmittelbar vor sich. „Wir bleiben in Kontakt“, war das Ergebnis.
Gut erinnert sich Florian an den ersten Tag. P. Markus hatte ihn am späten Vormittag am Bahnhof abgeholt. In Riedegg angekommen zeigte er ihm zunächst das Haus. Dann versammelte man sich zur Sext. Nach dem Essen war Florian zum ersten Mal allein im Zimmer – und begann sein Tagebuch zu führen. „Mein Berufungs-Tagebuch“ sagt er. Seinen Weg und seine Entscheidung will er sehr bewusst gehen.
Die letzten Ferienwochen 2009 lebte Florian in Riedegg mit den Fratres und Patres mit. Und am 1. Oktober hat er um die Aufnahme angesucht. Sein Noviziat erlebte er in Würzburg – als einziger Novize des Mariannhillerordens im deutschen Sprachraum, und als der jüngste Mariannhiller in Europa.

Der Weg zur Entscheidung. Die Geschichte begann schon viel früher. In der Montessori-Volksschule in Salzburg vielleicht. Dort wurde es wichtig genommen, dass Stärkere den Schwächeren helfen sollen. In der Familie vielleicht, in der die Eltern der Kirche gegenüber positiv eingestellt waren. Ein regelmäßiges Kirchegehen gab es im Elternhaus nicht. Zu den höheren Festtagen halt. Der Pfarrer in der Heimatpfarre St. Martin in Liefering vielleicht, der Florian bis heute nahesteht? Florian hatte das Realgymnasium besucht. Informatik war sein Spezialgebiet. „Da bin ich wirklich gut“.
Es war in der sechsten Klasse, als in Florian Winter der Wunsch reifte: „Ich will Priester werden.“ Zuerst wussten es seine Mitschüler/innen. Sie haben ihn mit seinem Wunsch sehr ernst genommen. Den Eltern erzählte er es erst später. Es war in Schock für sie.

Die Alternativen. Florian trat zunächst in Salzburg ins Priesterseminar ein, und studierte später auch Informatik. „Um sich wirklich entscheiden zu können, muss man echte Alternativen haben“, meint er. Als Informatiker hätte er gleich einen gut bezahlten Job haben können. Aber er entschied sich anders. Die Berufung spürte er. Aber da gibt es hundert verschiedene Möglichkeiten. Er suchte, lebte in verschiedenen Orden als Gast mit – und entschied sich für den Mariannhillerorden.
24 Marianhiller gibt es in Österreich. Das Durchschnittsalter liegt bei über 70 Jahren. Florian Winter ist Realist. Es wird vieles anders werden. Aber weltweit gesehen, gibt es rund 80 Mariannhiller in seinem Alter. Wohin der Weg ihn führen wird, ist noch nicht klar. Früher hätte er nie gedacht, dass er jemals weit weg gehen würde. Aber jetzt schätzt er gerade diese „Internationalität“ des Ordens. „Ich bin nicht der einzige, und Lückenfüller bin ich auch keiner“, sagt er.
Vor kurzem hat Florian die erste zeitliche Profess abgelegt. Noch zwei Mal wird er sich für jeweils ein weiteres Jahr entscheiden müssen, erst dann folgt die „ewige“ Profess. Den Eltern, weiß Florian, wäre es vielleicht lieber, er würde sich anders entscheiden. Ob er eines Tages seine Aufgabe im südlichen Afrika, in einem anderen Land oder hier in Europa haben würde, wird sich weisen. Dort hinzugehen, wo sonst niemand hingehen will, war schon ein Prinzip des Ordensgründers Franz Pfanner.

Florian Winter schätzt die Gemeinschaf mit seinen alt gewordenen Mitbrüdern. „Radfahren wird zwar keiner mehr mit mir gehen wollen“, scherzt er, aber: „Die haben viel erlebt, waren alle in der Mission, hatten ihre Krisen. Vielleicht sind sie nicht mehr die Entscheidungsfreudigsten, aber sie stehen alle auf dem Boden. Sie haben den Sinn für das Mögliche“.




„Was ich mir aneignen konnte an Wissen und Fähigkeiten, möchte ich weitergeben – ohne mir als ein Besserer vorzukommen. Das ist mein Wunsch.“




Ein Leben mit den Armen

Nicht immer, aber doch in der Öffentlichkeit, trägt Florian Winter seinen Habit mit dem roten Zingulum. Für ihn ist das ein öffentliches Bekenntnis. Manche reagieren befremdet, andere erleben es als ein Zeugnis. Für Florian Winter drückt der Habit ein Bekenntnis zur Armut aus. „Uns ist an Menschen gelegen, die sich keinen Armani-Anzug leisten können“, meint er. Und das rote Zingulum, das er seit der ersten Profess trägt, weist auf das Blut des Martyriums hin. Dass das Ernst werden kann, zeigte der tragische Tod des Mariannhillerpaters Ernst Plöchl, der kurz vor dem Ordenseintritt von Frater Florian in Südafrika ermordet wurde.

Drei Säulen. Die Spiritualität der Mariannhiller hat drei Säulen: Hören – beten – arbeiten. Mariannhiller sind so etwas wie Entwicklungshelfer aus dem Geist des Evangeliums. Zuerst geht es um die Sorge, dass Menschen Brot und Wohnung haben, erst dann um die Sorge um den Glauben. Franz Pfanner legte auf fachliche Ausbildung in Handwerken wert und schickte lieber „Meister“ als Theologen in die Mission.

Die Mariannhiller. Abt Franz Pfanner hat 1882 das Kloster Mariannhill in Südafrika als Trappistenkloster gegründet. Daraus entstand 1909 der Orden der Missionare von Mariannhill.
Ebenso geht auf Pfanner der weibliche Zweig der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut zurück, deren Gründungsjahr 1885 ist.

- www.mariannhill.at
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